I.E Mikaela Kumlin Granit, Botschafterin vom Königreich Schweden – INTERVIEW (D & ENG)

Foto: IAEA / K. Nikolic

Je mehr Frauen Führungspositionen einnehmen, desto mehr Sichtbarkeit erhalten wir

Als Hommage an den Internationalen Weltfrauentag haben wir mit derzeit in Österreich amtierenden Botschafterinnen für das Magazin Diplomacy and Commerce gesprochen, so auch mit  I.E Mikaela Kumlin Granit, Botschafterin vom Königreich Schweden in der Republik Österreich.

Ist es für Frauen in der Politik und Diplomatie schwieriger als für männliche Kollegen, und müssen sich Frauen in Führungspositionen stärker beweisen?

Ja, im Allgemeinen ist es aus dem einfachen Grund schwieriger, dass viele weniger daran gewöhnt sind, Frauen als Vorgesetzte zu haben. Dies ändert sich jedoch. Je mehr Frauen Führungspositionen einnehmen, desto mehr Sichtbarkeit erhalten wir. Je mehr wir beweisen, dass Frauen tatsächlich gute Manager und Diplomaten sind, desto leichter wird es, Akzeptanz zu finden.

Eine Schwierigkeit für Frauen besteht darin, dass sie nicht darauf zählen können, dass ihre Ehepartner ihre beruflichen Ambitionen so unterstützen, wie Frauen es traditionell getan haben, ihre Männer zu unterstützen. Frauen neigen dazu, zweimal zu überlegen, bevor sie eine neue Position oder eine neue berufliche Herausforderung annehmen, wenn sich dies auf das Familienleben auswirkt. Der Schlüssel zur wirklichen Gleichstellung der Geschlechter ist eine Gesellschaft, die Umstände schafft, unter denen Männer die gleiche Verantwortung für die Kinderbetreuung übernehmen wie Frauen.

Wo ist, Ihrer Meinung nach, der Schlüssel zum Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter in Ländern, in denen Frauen noch nicht alle Rechte haben? Ist die Schulbildung die Lösung?

Die Schule ist ein wichtiger Teil. Es geht aber auch um die gesellschaftliche Akzeptanz der Wünsche und Fähigkeiten von Frauen in der Gesellschaft, Karriere zu machen. Es müssen auch Strukturen für eine erschwingliche Kinderbetreuung entwickelt werden, damit Familie und Beruf kombiniert werden können.

Vor welchen weiteren Herausforderungen stehen Frauen in der Zukunft, und wo sehen Sie eine Lösung für sie?

Frauen sind von schwierigen Zeiten tendenziell stärker betroffen als Männer. Wir sehen zum Beispiel, dass Frauen während der Pandemie auf unterschiedliche Weise am stärksten betroffen waren. Es ist daher sehr wichtig, dass wir uns dieser Tatsache weiterhin bewusst sind, auch wenn es den Anschein hat, dass Frauen in bestimmten Bereichen, unter bestimmten Umständen oder in bestimmten Ländern oder Regionen mehr Rechte und Möglichkeiten erhalten.

Das UN Motto für das Jahr 2021 lautet „Frauen in Führungspositionen: Eine gleichberechtigte Zukunft in einer COVID-19-Welt erreichen“, wie ist Ihre Meinung dazu?

Ich denke, dass dies sehr wichtig ist. Wie bereits erwähnt, scheinen Frauen während der Covid-19-Pandemie stärker betroffen zu sein als Männer. Frauen waren beispielsweise in größerem Umfang häuslicher Gewalt ausgesetzt. Frauen sind nach der Pandemie auch finanziell stärker betroffen. Die Sensibilisierung und Behandlung dieser Probleme ist daher wichtig und wird auch als Lehre für die Zukunft dienen.

 English

H.E Mikaela Kumlin Granit, Ambassador of the Kingdom of Sweden to the Republic of Austria

The more women occupy management positions, the more visibility we get

As a tribute to International Women’s Day, we spoke to the current female ambassadors in Austria for the Diplomacy and Commerce magazine, including H.E. Mikaela Kumlin Granit, Ambassador of the Kingdom of Sweden to the Republic of Austria.

Is more difficult for women in politics and diplomacy than for their male colleagues, women in management positions have to prove themselves more?

Yes, in general it is more difficult for the simple reason that many are less used to having women as their superiors. This is, however, changing. The more women that take on management positions the more visibility we get. The more we prove that women actually are good managers and diplomats the easier it will get to get acceptance.

One difficulty for women is that they cannot count on their spouses to support their professional ambitions as women traditionally have to support their husbands. Women tend to think twice before taking on a new position or professional challenge when it affects family life. The key to real gender equality is a society that creates circumstances conducive to men taking on the same responsibility for childcare as women.

Where do you think is the key to tackling gender equality in countries where women do not yet have all rights? Is schooling the solution?

Schooling is one important part. But it is also about social acceptance in society of women´s wishes and capabilities of pursuing a career. Structures for affordable childcare also need to be developed so that it is possible to combine family and work.

What other challenges will women face in the future and where do you see a solution for them?

Women tend to be more affected than men in challenging times. We see, for instance, that women have been the most affected during the pandemic in different ways. It is therefore very important that we continue to be aware of this fact even though it might seem that women are gaining more rights and opportunities in some areas, under certain circumstances or in certain countries or regions.

UN motto for 2021 is “Women in leadership: Achieving an equal future in a COVID-19 world” what is your opinion on this?

I think that this is very important. As I mentioned, it seems that women have been more affected than men during the Covid-19 pandemic. Women have been subject to domestic violence to a larger extent, for instance. Women have also been hit harder financially in the wake of the pandemic. Raising awareness and addressing these issues is therefore important and will also serve as lessons for the future

Text: Svetlana Nenadovic-Glusac

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