S.E. Dr. Juan Francisco Facetti Fernandez, Botschafter von Paraguay: Die Öffnung der Wirtschaft in Paraguay konnte dank der guten Gesundheitsmaßnahmen relativ schnell erfolgen

Die Covid-19-Pandemie hat zu beispiellosen Herausforderungen bei den laufenden operativen Aktivitäten der globalen Industrie, dem Handel und der Wirtschaft geführt. Die Weltwirtschaft wurde für mehrere Monate gezwungen, auf die Notbremse zu treten.

S.E. Dr. Juan Francisco Facetti Fernandez, Botschafter von der Republik Paraguay in der Republik Österreich

Durch die restriktiven Maßnahmen und den Lockdown, den die Regierungen rund um den Globus durchgeführt haben, wurde die Wirtschaft in einen Winterschlaf versetzt.

Vorsichtig wird die Wirtschaft in jedem Land wieder hochgefahren. Alle Wirtschaftszweige  sind von der Krise – ausgelöst vom Coronavirus – davon betroffen, ohne Ausnahme.

Wie hat sich die Krise auf die Weltwirtschaft ausgewirkt und wie sind die Prognosen für die Zukunft? Darüber haben wir mit Wirtschaftsexperten und Vertretern der ausländischen Wirtschaftskammern in Wien, sowie HandelsvertreterInnen aus Handelsabteilungen und Wirtschaftsdelegierten aus der Diplomatie in Österreich gesprochen.

Wir sprachen für Diplomacy and Commerce Austria mit S.E. Dr. Juan Francisco Facetti Fernandez, Botschafter von der Republik Paraguay in der Republik Österreich.

Wie schätzen Sie die Lage ein, stehen wir vor einer ernsthaften Krise,  die lange andauern wird, oder vor einer raschen Erholung der Wirtschaft? 

Obwohl die Pandemie einen großen globalen Schock ausgelöst hat, erwarten wir eine stufenweise Erholung der Wirtschaft durch die Aufhebung der Quarantänemaßnahmen und die Anwendung wichtiger Hygienemaßnahmen, die mögliche Infektionen verhindern sollen. Dennoch wird für 2020 ein wirtschaftlicher Rückgang erwartet. Für 2021 jedoch erwartet man einen positiven jährlichen Anstieg der globalen und lokalen Wirtschaft.

Paraguay setzte in dieser Gesundheitskrise schnell auf soziale Isolation und führte eine strenge Quarantäne ein, um den Anstieg der Infektionszahlen gering zu halten und daher sind auch die Infektionszahlen überschaubar geblieben (nur wenige Todesfälle im Vergleich zu anderen Ländern). Trotzdem führten die Maßnahmen zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten, was sich im April stark bemerkbar machte, da in diesem Monat eine strenge Quarantäne eingeführt wurde. In diesem Zusammenhang griffen das Finanzministerium, die öffentlichen Finanzinstitute und die Zentralbank zu einer Reihe von Maßnahmen, die die Auswirkungen auf Familien und Unternahmen lindern sollten. Außerdem ist zu erwähnen, dass der primäre Wirtschaftssektor, vor allem die Landwirtschaft, ein sehr gewinnbringendes Jahr erlebt, was dazu beigetragen hat, dass die Auswirkungen auf die Gesamtaktivität und auf den Finanzbereich gering blieben. Außerdem wurde ein wirtschaftliches Hilfspaket geschnürt, welches zusammen mit der schrittweisen Aufhebung der Quarantäne, die Wirtschaft in den nächsten Monaten ankurbeln soll. Natürlich ist dies abhängig von dem Anstieg der Infektionszahlen durch die Öffnung weiterer Wirtschaftszweige.

Inwieweit haben die staatlichen Maßnahmen Ihres Landes bisher dazu beigetragen, die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft durch die COVID-19-Pandemie zu verringern?

Die Maßnahmen, die von der Regierung getroffen wurden, konnten die wirtschaftlichen Folgen schwächen. Durch das nationale Notstandsgesetz wurde ein Kreditpaket von bis zu 1,6 Billionen USD (4% des BIP) beschlossen, Fonds werden dem Gesundheitssektor, dem Sozialschutz, dem Staat für die temporäre Unterstützung einiger öffentlicher Stellen, und für Kredite für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen (KKMU) verliehen.

Zu den sozialen Hilfsmaßnahmen zählt das Projekt Ñangareko, zur Unterstützung der Lebensmittelsicherheit, welches Überweisungen von Notfallhilfen von ₲ 500,000 (USD 75) an die am meisten betroffenen Sektoren zu ihrer  Bedarfsdeckung und insgesamt an 330.000 Menschen durchführte. Darüber hinaus wurde das weitreichende Programm, mit dem Namen “Pytyvo” erschaffen, welches bis zu zwei Überweisungen von ₲ 548,210 (USD 84) an ungefähr 1,500,000 Personen veranlasste. Die Zentralbank von Paraguay (BCP) führte eine Reihe von monetären und Liquiditätsunterstützungen für das Finanzsystem ein, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) gering zu halten. Auch die Verordnungen wurden gelockert, um Unternehmen und Haushalten einen leichteren Zugang zu Krediten zu ermöglichen.

Daher reduzierte die Zentralbank den Leitzins um 275 grundlegende Punkte zwischen März und April, bis auf 1,25%, was zu geringeren Zugangskosten zur Liquidität (Zinsraten der permanenten Liquiditätsfazilitäten) für das Finanzsystem führte.  Außerdem machte die Zentralbank 967 Millionen USD der als gesetzliche Rücklage eingezahlten Geldmittel in lokaler Währung und in Dollar zugänglich, und erschuf außerdem ein Liquiditätsfenster, die sogenannten besonderen Kreditfazilitäten (FCE) um KKMUs Darlehen zu gewähren. Diese beiden Maßnahmen (Abwicklung und FCE) betragen fast 4% des BIP.

Darüber hinaus führte die Zentralbank Maßnahmen zur finanziellen Flexibilität ein, wie die Einstellung der Berechnung von Rückständen des neu verhandelten Portfolios, wodurch Bonitätsverschlechterungen von Kunden vermieden wurden, und sie kreditfähig blieben. Außerdem kann ein Portfolio neu verhandelt werden, ohne dass Zusatzdokumente von Kunden bei Geschäften bis zu 155.000 USD eingefordert werden und sie dadurch finanziell entlastet werden.

In diesem Rahmen, beträgt die Liquidität unter Freigaben, besonderen Kreditfazilitäten und Vorräten in der Zentralbank, ungefähr 2,662 Millionen USD und somit wurde die Verfügbarkeit von Ressourcen zu keiner Schwierigkeit für das Finanzsystem. Dennoch vergrößerte sich die Risikowahrnehmung der Makler in diesem sehr risikoreichen Szenario, was zu einer strengen Kontrolle der Risikoprofile bei der Vergabe von Darlehen führte. Trotzdem nehmen Kredite weiterhin zu, vor allem in lokaler Währung, und es lässt sich eine jährliche Veränderung von 7,5% im April 2020 feststellen.

Foto: welt-atlas.de

 Der Wirtschaftssektor öffnet und erholt sich ebenfalls langsam. Wie schätzen Sie die Entwicklung in Ihrem Land ein, und wie auf die Globale ebene? 

Die Öffnung der Wirtschaft ist ein sehr positiver Faktor und in Paraguay konnte diese Öffnung dank der guten Gesundheitsmaßnahmen relativ schnell erfolgen. Dennoch ist es wichtig einzusehen, dass der Ausbruch des Coronavirus zu einem starken Einbruch von Seiten der Nachfrage und zu einer Lieferungseinschränkung führte. In diesem Sinne verhindert die Öffnung, dass es  zu Produktionseinschränkungen kommt. Dennoch ist die Pandemie noch nicht vorüber und  gewisse Wirtschaftssektoren haben eine geringere Nachfrage und hier wird die Erholung länger dauern, wie zum Beispiel Restaurants, Hotels und andere Sektoren im Bereich des Tourismus. Wir denken, dass die Wiederbelebung der Wirtschaft stufenweise in den nächsten Monaten erfolgen wird, da noch sehr viel Unsicherheit vorhanden ist, die Konsum und Investitionsentscheidungen einschränken.

Presidential Palace in Asuncion

Experten auf der ganzen Welt machen verschiedene Ankündigungen über die zukünftigen Szenarien dieser Pandemie, von der Behauptung, dass im Herbst eine zweite Welle erwartet wird, bis zu der Behauptung, dass es überhaupt keine zweite Welle geben wird.  Bereiten Sie sich auf beide Szenarien vor und was passiert, wenn das, was alle befürchten, ein neuer Lockdown erneut eintritt?   Wird es zusätzliche Maßnahmen geben?

Eine neue Welle an Coronainfektionen wird zu weiteren Quarantänemaßnahmen führen, die die Weltwirtschaft, die schon geschwächt ist, weiter schädigen wird. Außerdem wurde der steuerliche Spielraum in einigen Ländern der Welt stark eingeschränkt, was auch die Antwort auf eine zweite Quarantäne und Schließungen stark eingrenzt. Daher müssen die Behörden dringendst ein Gleichgewicht finden, welches die starke Ausbreitung des Virus und gleichzeitig einen zusätzlichen Zusammenbruch der Wirtschaft verhindert. Die Gesundheitsbehörden müssen daher an die strenge Einhaltung der Hygienemaßnahmen an Arbeitsplätzen, Geschäften, Restaurants oder die Fortführung der Heimarbeit, dort, wo es möglich ist, appellieren. Wieder zu einer vollständigen Quarantäne zurückzukehren, scheint nicht machbar, da es zu riskant für die ohnehin schon geschwächte Wirtschaft wäre.

 Svetlana Nenadovic-Glusac

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