Neuer Generaldirektor der IAEO – Rafael Mariano Grossi – Interview

Der argentinische Botschafter, S.E.  Rafael Mariano Grossi, wurde bei der Sitzung der Internationalen Atomenergie-Organisation, die am 30. Oktober in Wien stattgefunden hat, und bei der Vertreter aller IAEO-Mitgliedstaaten teilgenommen haben, von  der Mehrheit des 35-köpfigen Gouverneursrat zum Generaldirektor der IAEO ernannt. 

Für das Magazin Diplomacy and Commerce Austria sprachen wir mit dem neuen Generaldirektor der IAEO, S.E. Rafael Mariano Grossi, über seinen neuen Posten, Verpflichtungen und die Pläne, die er für die Internationale Atomenergie-Organisation für das Jahr 2020 hat.

Nach Ihrer Ernennung zum neuen Generaldirektor der IAEO kommen Glückwünsche von allen Seiten und es berichten alle Medien der Welt darüber. Wie fühlen Sie sich dabei?

Ich fühle mich natürlich sehr geehrt über die vielen Glückwünsche, die ich von vielen Regierungen erhalten habe. Ich glaube, dass dies über das Persönliche hinaus das Engagement und die Unterstützung der Länder für die Arbeit der Atomenergiebehörde widerspiegelt und für den Erfolg unserer Mission von wesentlicher Bedeutung ist.

Bedeutet die Übernahme einer neuen Position in der IAEO, dass Sie sich künftig nur noch mit der Agentur befassen werden, oder werden Sie weiterhin die Arbeit des argentinischen Botschafters in Österreich, Slowenien und der Slowakei sowie bei internationalen Organisationen mit Sitz in Wien verrichten?

Die Ernennung  zum Generaldirektor der IAEO impliziert zwangsläufig, dass ich nicht mehr argentinischer Botschafter in Österreich, der Slowakei, Slowenien und ständiger Vertreter bei den internationalen Organisationen in Wien sein werde. Ich bin jetzt ein internationaler Beamter, und dieser Mission werde ich meine besten Anstrengungen widmen. Es war mir eine große Ehre, mein Land in Wien vertreten zu haben, was bei mir eine unauslöschliche Erinnerung hinterlässt. In Kürze wird es einen neuen Vertreter aus Argentinien in Wien geben.

Ab Anfang Dezember übernehmen Sie die Funktion des Generaldirektors. Haben Sie Pläne für die IAEO oder bleiben Sie auf dem Kurs, den Ihr Vorgänger Amano eingeschlagen hat?

Die Atomenergie Behörde (IAEO) steht sowohl im Bereich der Nichtverbreitung als auch in der Förderung einer friedlichen Nutzung der Kernenergie vor erheblichen Herausforderungen. Hinzu kommt die technische Zusammenarbeit bei Projekten in den Bereichen Nuklearmedizin und Gesundheit, Ernährungssicherheit für die Landwirtschaft und viele andere Anwendungen der Nukleartechnologie, die von wesentlicher Bedeutung sind, um das Leben der Menschen zu verbessern. Um die Aktivitäten der IAEO an die technische Entwicklung und an die Nachfrage der Länder anzupassen, muss sie sich ständig anpassen und weiterentwickeln. Dies erfordert Änderungen und Anpassungen, wobei das Gute, das bereits getan wurde, mit einer Vision des Wandels und der Dynamik beibehalten werden muss. Ich glaube an eine IAEO, die an den großen Debatten über die Energie der Zukunft, über die Entwicklung und den Erhalt von Frieden und Sicherheit aktiv beteiligt ist und die die ausschließlich friedliche Nutzung der Kerntechnologie garantiert. Es gibt viel zu tun.

Erfordern die neuen Zeiten, Technologien und neuesten Entwicklungen in der Weltpolitik eine straffere Haltung der Agentur oder diplomatische Verhandlungen?

Unsere Organisation ist eng mit der Technologie verbunden, sowohl in der Nichtverbreitungsdimension von Atomwaffen als auch bei der friedlichen Nutzung von Energie und nuklearen Anwendungen. Dies erfordert neue Ansätze und die notwendige Anpassung unserer Praktiken. Wir verfügen jedoch über die besten Fachkräfte, um problemlos erfolgreich zu sein. Für die IAEO ergibt sich hiermit eine aktive Phase mit großem Potenzial. Ich bin auf die Herausforderung vorbereitet.

Über Rafael Mariano Grossi:

Rafael Mariano Grossi wurde 1961 in Buenos Aires geboren, sein Studium der Politikwissenschaften beendete er 1983 an der „Universidad Católica Argentina“, seinen Master und sein Doktorat in Geschichte und internationaler Politik machte er in der Schweiz, an der Universität Genf.

Zwischen 1997 und 2000 war er Vorsitzender der Gruppe der Regierungsexperten der Vereinten Nationen für das internationale Waffenregister und dann Berater des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Abrüstung.

Von 2002 bis 2007 war er Chef des Stabes der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien (Österreich) und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen, mit Sitz in Den Haag (in den Niederlanden).

Er war Generaldirektor für politische Koordinierung im Auswärtigen Amt von Argentinien von 2007 bis 2010, danach war er Botschafter und Missionschef Argentiniens in Belgien und bei den Vereinten Nationen in Genf. Von 2010 bis 2013 war er stellvertretender Generaldirektor der IAEO (Internationale Atomenergiebehörde) und von 2014 bis 2016 Präsident der Gruppe der Nuklearversorgerländer (NSG) und Präsident der Diplomatischen Konferenz des Übereinkommens über nukleare Sicherheit und stellvertretender Generaldirektor der IAEO-Organisation für das Verbot chemischer Waffen. 

Seit 2013 war Rafael Mariano Grossi Botschafter in Österreich und Ständiger Vertreter Argentiniens bei internationalen Organisationen in Wien, außerdem war Herr Grossi gleichzeitig Botschafter Argentiniens in der Slowakei und in Slowenien. Ab 3. Dezember übernimmt Herr Grossi die Funktion des Generaldirektors bei der Internationalen Atomenergie-Organisation mit Sitz in Wien.

Neben allen Verpflichtungen, die er als argentinischer Botschafter für drei Staaten hatte (Österreich, Slowenien und die Slowakei), war er zusätzlich noch Ständiger Vertreter Argentiniens bei den Internationalen Organisationen in Wien sowie seine Tätigkeit in der IAEO-Organisation und NTP. S.E. Rafael Mariano Grossi ist auch Ehemann und Vater von acht Kindern – sieben Töchtern und einem Sohn.

 

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