Immer wieder gelang es Ägypten seine vorteilhafte geo-politische Lage bestmöglich zu nutzen

Im Laufe seiner Geschichte war Ägypten oftmals vor Herausforderungen gestellt, die den Entwicklungsprozess zu behindern drohten. Doch immer wieder gelang es dem Land, diese Schwierigkeiten zu bewältigen und seine vorteilhafte geo-politische Lage bestmöglich zu nutzen. Ein Beispiel hierfür sind die ökonomisch-politischen Umbrüche seit dem Jahr 2011: Zu einem Zeitpunkt, als sich Ägypten in einer wirtschaftlichen Krise befand, wurde 2013 von der Regierung ein vollkommen neues wirtschaftliches Programm erstellt, das sich grundlegend von dem vorhergegangenem System unterschied und das gezielt die vorhandenen Problemfelder in den Blick nahm und auf eine positive Entwicklung in der Zukunft fokussierte.

Kairo / Foto: extra.ie

Unter Präsident Al-Sisi gelang es Ägypten erstmals, die notwendigen Ausgaben produktiv zu nutzen, indem vorranging in eine verbesserte Infrastruktur investiert wurde. So wurden Brücken und Straßen gebaut, hunderttausende Hektar Agrarland revitalisiert, Wohnräume für einkommensschwache Menschen geschaffen oder bereits vorhandene informelle Siedlungen ausgebaut, eine neue Verwaltungshauptstadt gegründet, Fabriken modernisiert und der Regierungs- und Verwaltungsapparat zum Großteil auf digitale Arbeitsprozesse umgestellt.

Im Jahre 2017 wurden dann die vom Präsidenten betreuten Wirtschaftsreformen eingeleitet, die darauf abzielten, den ökonomischen Fortschritt des Landes zu gewährleisten und den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern. Wesentlicher Aspekt des neuen Programmes war es auch, sicherzustellen, dass die Subventionen alle dafür Berechtigten erreichen und damit eine Garantie für soziale Gerechtigkeit geschaffen wird.

Weiteres konnte die Wachstumsrate gesteigert und das Haushaltsdefizit verringert werden, die Arbeitslosenquote sank auf 8,3 %. All die positiven Auswirkungen dieser Reformen spiegeln sich auch in den Berichten des IWF wider, aus denen klar hervorgeht, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen im Land seit Beginn des Reformprogrammes erheblich verbessert haben. Trotz der Abschaffung von internationalen Subventionen und den damit einhergehenden Lebensbelastungen büßte Ägypten nichts an wirtschaftlicher Stabilität ein.

Es zeigt sich darin das große Vertrauen der Bevölkerung in die Regierungspolitik: Die Menschen wissen, dass diese Maßnahmen Teil des von der Weltbank empfohlenen Wirtschaftsprogrammes sind, das in Kooperation mit dem IWF durchgeführt wird. Außerdem wurde versucht, die negativen Auswirkungen auf den Lebensalltag der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. So kostet beispielsweise ein U-Bahnticket nach wie vor nur 0,50 USD – und dies trotz gestiegener Transportkosten.

Ägyptens Präsident Abd al-Fattah Said Husain Chalil as-Sisi / Foto: AA

Der Ausbruch der Corona-Pandemie stellte das Land vor eine neue Herausforderung. Doch die Wirtschaftsleistung, die Ägypten in dieser Zeit der Krise erbracht hatte, wurde von internationalen Institutionen einstimmig gelobt: In einem im September 2020 veröffentlichten Bericht von Moody’s wurde dem Land ein B2-Rating verliehen und die Kreditwürdigkeit positiv beurteilt; auch Goldman Sachs bestätigte anerkennend die Widerstandsfähigkeit der ägyptischen Wirtschaft, die auch in einer solchen Krisensituation stabil geblieben ist.

In einem nächsten Schritt wird das Land sukzessive für den Tourismus geöffnet. WizzAir, Europas drittgrößte Billigfluggesellschaft, kündigte bereits an, wieder dreimal wöchentlich zwischen Mailand und Alexandria zu fliegen, auch Royal Dutch Airlines planen, Kairo als Zielflughafen in ihr Programm zu nehmen, ebenso Fluggesellschaften aus Russland und Kasachstan. Auch Austrian Airlines bedienen Kairo bereits mehrmals wöchentlich von Wien aus.

In den letzten Monaten sank die Inflationsrate auf 3,4%, verglichen mit 6,7% im Juli 2019. Dies zeigt erneut, wie vorrangig das Geringhalten von sozialen Problemen ist, wirkt sich eine geringe Inflationsrate doch sehr positiv auf die Bevölkerung aus, insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Preisverfalls bei Grundnahrungsmitteln wie Getreide.

Foto: Shutterstock.com / Mikael Damkier

Eine weitere Erneuerung, von der die Bevölkerung profitieren konnte, war die erstmalige Einführung einer digitalen Registrierung von Immobilien und Agrarland, was der illegalen Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen als Baugrund entgegenwirken soll.

Weiters kündigte die Regierung an, die staatlichen Investitionen im laufenden Finanzjahr 2020/2021 um 55% zu erhöhen, was einer Gesamtsumme von 280 Milliarden ägyptischen Pfund entspricht. 10% dieser Investitionen werden für Trinkwasseraufbereitung und andere Projekte im Abwassermanagement getätigt werden.

Dass trotz der momentanen Corona-Krise viel in Infrastrukturprojekte investiert wird, wirkt sich positiv auf das Wirtschaftswachstum und auf eine geringe Arbeitslosenrate aus. So wurde im Finanzjahr 2019/2020 ein Wachstum von 3,5% erzielt und der ständig steigenden Zahl an Arbeitslosen entgegengewirkt.

Ein wichtiger Punkt in der politischen Agenda von Präsident Al-Sisi ist darüber hinaus der Ausbau des Bildungs- und Gesundheitssektors, was entscheidende Verbesserungen auf sozialer Ebene mit sich bringt. Außerdem betonte er, wie wichtig der Einsatz der ägyptischen Streitkräfte für zivile Projekte sei, könne doch das Militär unterschiedliche Aufgaben kompetent, rasch und ohne bürokratische Hindernisse erledigen, wovon auch wiederum die Bevölkerung profitieren werde. Auch anderen Staaten ist es bereits gelungen, die Fähigkeiten ihrer Streitkräfte für den wirtschaftlichen Fortschritt zu nutzen, so beispielsweise China, wo eine weitläufige staatliche Institutionalisierung mit den Möglichkeiten einer freien Marktwirtschaft kombiniert wird.

 Kolumne: Yasmine Elsalakawy

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