I.E. Morakot Sriswasdi, Botschafterin vom Königreich Thailand – INTERVIW (D & ENG)

Foto: Diplomacy and Commerce Austria

In Thailand hat sich das Verhältnis von Männern und Frauen im diplomatischen Dienst in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem Gleichgewicht entwickelt

Als Hommage an den Internationalen Weltfrauentag haben wir mit derzeit in Österreich amtierenden Botschafterinnen für das Magazin Diplomacy and Commerce gesprochen, so auch mit  I.E. Morakot Sriswasdi,  Botschafterin vom Königreich Thailand in der Republik Österreich.

Ist es für Frauen in der Politik und Diplomatie schwieriger als für männliche Kollegen, und müssen sich Frauen in Führungspositionen stärker beweisen?

Im Laufe der Geschichte haben Frauen dafür gekämpft, dass ihre Rechte fair anerkannt, ihre Stimmen gehört und ihre Chancen gleichermaßen gegeben werden. Leider zeigen Fakten und Zahlen, dass Frauen in verschiedenen beruflichen Bereichen immer noch unterrepräsentiert sind. In politischen und Regierungspositionen zeigen die von UN Women und anderen Wissenschaftlern gesammelten Statistiken, dass Ziele der Geschlechtergleichheit in naher Zukunft nicht erreicht werden. Obwohl wir eine wachsende Anzahl von Frauen in Führungspositionen, Fortschritte bei den Frauenrechten und die Anerkennung der Rolle von Frauen in Politik und Diplomatie sehen, muss noch viel mehr getan werden.

Die Schwierigkeiten, die Karriere von Frauen voranzutreiben, können je nach Land und kulturellem Kontext unterschiedlich sein. Es ist zweifellos noch schwieriger für manche Frauen in Führungspositionen, allein aufgrund des Faktors „weiblich zu sein“ oder der Vorurteile gegenüber Frauen in der Führungsrolle.

In Thailand hat sich das Verhältnis von Männern und Frauen im diplomatischen Dienst in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem Gleichgewicht entwickelt. Derzeit sind 521 weibliche Offiziere im diplomatischen Dienst (rund 52%). Davon gibt es 57 Botschafterinnen, Generaldirektorinnen oder Frauen in Führungspositionen (rund 11%), was einen zunehmenden Trend der Rolle thailändischer Frauen in diesem Bereich widerspiegelt.

Um qualifiziertere Frauen in Entscheidungs- und Führungspositionen zu haben, gibt es keine Abkürzung. Frauen müssen motiviert bleiben, entschlossen sein und weiterhin professionell vorgehen, um Vertrauen, Respekt und Akzeptanz zu gewinnen.

Wo ist, Ihrer Meinung nach, der Schlüssel zum Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter in Ländern, in denen Frauen noch nicht alle Rechte haben? Ist die Schulbildung die Lösung?

Die Gleichstellung der Geschlechter ist seit langem eines der herausforderndsten Menschenrechtsprobleme, da die „Ungleichheit der Geschlechter“ in vielen Gesellschaften auf der ganzen Welt immer noch tief verwurzelt ist. Die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft erkennen an, dass die Gleichstellung der Geschlechter eine notwendige Grundlage für eine friedliche, prosperierende und nachhaltige Welt ist. Das Ziel 5 der SDGs (Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung aller Frauen und Mädchen) steht ganz oben auf der Tagesordnung der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen.

Die Ansätze zur Bekämpfung der Ungleichheit der Geschlechter sind von Land zu Land und von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich. Auf globaler Ebene wurden gemeinsame Anstrengungen unternommen, um Paritätslücken zu schließen, die Chancengleichheit zu fördern und den Zugang von Frauen und Mädchen zu qualitativ hochwertiger Bildung zu verbessern. Die Erklärung von Peking und die Aktionsplattform von 1995 waren einer der konkretesten Schritte, um die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frau auf die internationale Agenda zu setzen. Mehr als 25 Jahre später können wir auf allen Ebenen beobachten, dass die Rechte der Frauen besser anerkannt werden, mehr Frauen an der Entscheidungsfindung und der politischen Landschaft teilnehmen und die internationalen Standards und das innerstaatliche Recht verbessert wurden.

Meiner Meinung nach bleiben Bildung und Sensibilisierung die Grundlage, um die Gleichstellung der Geschlechter zusammen mit politischem Willen anzugehen. Die Gleichstellung der Geschlechter sollte zu Hause beginnen. In die Familie, als primärer sozialer Einheit, haben Kinder das größte Vertrauen. Sie könnten anhand von Beispielen wichtige Werte und das Selbstwertgefühl kennenlernen. Durch Gespräche über Geschlechterfragen, die Aufteilung von Verantwortung oder Haushaltspflichten auf Jungen und Mädchen und die Ermutigung von Kindern, Vielfalt durch Vorbilder verschiedener Geschlechter anzunehmen, könnte dies eine gute Einführung in die Gleichstellung der Geschlechter sein.

Schulen oder andere Bildungseinrichtungen sind sowohl ein Wegbereiter als auch ein Kraftmultiplikator für die wirtschaftliche, politische und soziale Stärkung von Frauen. Die Menschenrechte, insbesondere die Rechte der Frauen, sollten frühzeitig in den Lehrplan aufgenommen werden. Dies wird nicht nur Probleme im Zusammenhang mit der Gleichstellung der Geschlechter angehen, sondern auch Probleme wie Gewalt gegen Frauen oder häusliche Gewalt verhindern. Der politische Wille zur Sensibilisierung für die Gleichstellung und Gleichstellung der Geschlechter ist auch ein Schlüsselfaktor für die Förderung und Stärkung der Gleichstellung der Geschlechter als notwendige Grundlage für eine friedliche, prosperierende und nachhaltige Gesellschaft.

Vor welchen weiteren Herausforderungen stehen Frauen in der Zukunft, und wo sehen Sie eine Lösung für sie?

Trotz der Fortschritte bei der Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Rechte der Frauen bleibt noch viel zu tun. Dies ist angesichts der bestehenden Herausforderungen und Hindernisse, die hauptsächlich in Kulturen und Wahrnehmungen gegenüber Frauen verwurzelt sind, keine leichte Aufgabe. Änderungen brauchen Zeit, und Herausforderungen verschwinden nicht so schnell, wie wir es uns wünschen, insbesondere wenn es darum geht, Einstellungen zu ändern. Die Gleichstellung der Geschlechter braucht Verständnis und Offenheit.

Während Frauen auf die Ziele der Gleichstellung der Geschlechter hinarbeiten, müssen sie daran erinnert werden, dass sie sich weiterhin ermutigen und motivieren sollten, weitere Schritte zu unternehmen und sich stärker und besser zu engagieren. Frauen müssen glauben, dass sie gleichermaßen vertreten sein sollten. Gleichzeitig ist die Stärkung der Rolle der Frau von entscheidender Bedeutung für den Aufbau der erforderlichen Fähigkeiten, Potenziale und Kapazitäten, was wiederum dazu beiträgt, das Fenster der Chancen für Frauen zu öffnen und die veralteten Muster zu ändern, die sie stigmatisieren. Tatsächlich kann die Agenda für Frauen, Frieden und Sicherheit (WPS) als neue Narrative zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Stärkung der Rolle der Frau verwendet werden.

Das UN Motto für das Jahr 2021 lautet  „Frauen in Führungspositionen: Eine gleichberechtigte Zukunft in einer COVID-19-Welt erreichen“, wie ist Ihre Meinung dazu?

Die Vereinten Nationen begannen am 8. März 1975, vor fast einem halben Jahrhundert, mit dem Gedenken an den Internationalen Frauentag, bevor sie ihn 1977 durch eine von der Generalversammlung mit allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen angenommene Resolution formalisierten. Die Bewegung zur Förderung der Gleichberechtigung und der chancengleichen Zukunft der Frauen bestand jedoch seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Einer der drei wichtigsten Wendepunkte war, als Österreich und einige europäische Länder 1911 zum ersten Mal den Internationalen Frauentag feierten.

Das COVID-19 hat alle Menschen auf der ganzen Welt vor weitere Herausforderungen gestellt, insbesondere gefährdete Gruppen. Während viele Frauen als Akteure an vorderster Front – Ärzte, Angehörige der Gesundheitsberufe und Pflegekräfte – wichtige Beiträge zur Bekämpfung des Ausbruchs geleistet haben, haben viele andere unter häuslicher Gewalt und anderen Formen der Misshandlung gelitten, insbesondere während des Lockdowns und aufgrund von Stress durch wirtschaftliche und andere Herausforderungen in der Familie. Die UN-Frauen erwähnten diese Situation sogar als „Schattenpandemie“, die sich auf der ganzen Welt ausbreitete.

Das Thema „Führung“ ist daher während und nach der Krise sehr relevant und aktuell. Die Stärkung der weiblichen Führung und der Beteiligung am Entscheidungsprozess wird zweifellos dazu beitragen, die Rechte der Frauen zu gewährleisten und zu fördern. Darüber hinaus sollten solche Fragen von Frauen in Führungspositionen und auch von Männern in Führungspositionen berücksichtigt werden.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen selbst hat ein solches Beispiel vorgezeigt, indem er Frauen in Führungspositionen aufgrund ihrer Verdienste gefördert hat. Heute sind 51% der Untergeneralsekretärinnen und 46% der stellvertretenden Generalsekretärinnen Frauen. In vielen Regierungen, Parlamenten oder Obersten Gerichten – einschließlich in Thailand und Österreich – ist der Anteil der Frauen in diesen Entscheidungsorganen seit dem ersten Gedenken an den Internationalen Frauentag weiter gestiegen.

English:

H.E. Morakot SriswasdiAmbassador from the Kingdom of Thailand to the Republic of Austria

In Thailand, proportion of male and female in diplomatic service is moving towards a balance in last two decades

As a tribute to International Women’s Day for Diplomacy and Commerce Austria, we spoke to the current female ambassadors in Austria, including H.E. Morakot Sriswasdi, Ambassador from the Kingdom of Thailand to the Republic of Austria.

Is it more difficult for women in politics and diplomacy than for their male colleagues, women in management positions have to prove themselves more?

Throughout history, women have been fighting for their rights to be fairly recognized, their voices to be heard and their opportunities to be equally given.  Unfortunately, fact and figures showing that women are still underrepresented in various professional fronts.  In political and government positions, the statistics collected by UN Women and other academia[1] show that targets of gender parity will not be achieved in the near future. Even though we see growing numbers of female in leading positions, progress on women rights, and recognition of women’s roles in politics and diplomacy, there are a lot more that needs to be done.

Difficulties to advance women’s careers may vary across countries and cultural context. It is undoubtedly even more difficult for those women in managerial positions simply because of the ‘being-female’ factor or the preconceptions about women in the leadership role.

In Thailand, proportion of male and female in diplomatic service is moving towards a balance in last two decades. At present, there are 521 female officers in diplomatic service (around 52%). Out of these numbers, there are 57 Ambassadors/ Directors-General or in executive positions (around 11%) which reflects an increasing trend of Thai women’s role in this field.

To have more qualified women in decision-making/management positions, there is no shortcut in changing the unwelcoming attitude and the narrative thereof. Women need to keep ourselves motivated, have strong determination, and keep doing things in a professional way to earn trust, respect and acceptance.

Where do you think is the key to tackle gender equality in countries where women do not yet have all rights? Is schooling the solution?

Gender equality has long been one of the most challenging human rights issues, since gender “inequality” is still deeply rooted in many societies around the world. The United Nations and the international community recognise that gender equality is a necessary foundation for a peaceful, prosperous and sustainable world. The Goal 5 of the SDGs (achieve gender equality and empower all women and girls) is high on the agenda of the UN and other international organisations.

The approaches in tackling gender inequality would vary from one country/society to another and at different levels. At global level, collective efforts have been put in place to narrow parity gaps, promote equal opportunities, and increase access to quality education for women and girls. The 1995 Beijing Declaration and Platform for Action was one of the most concrete steps to put gender equality and women’s empowerment on the international agenda. More than 25 years later, we can witness at all levels that women’s rights are more recognised, more women participate in the decision-making and political landscape, and international standards and domestic law have been improved.

In my opinion, education and awareness-raising remain the basis to address gender equality, together with political will.

Gender equality should be introduced at home. Family, as the primary social unit, is where children have the most trust. They could learn about important values and self-esteem from examples. By having conversations about gender issues, dividing responsibilities or household duties to boys and girls and encouraging children to embrace diversity through role models from different genders could be a good introduction to gender equality.

Schools or other educational institutions are both an enabler and force multiplier for women’s economic, political and social empowerment. Human rights, in particular women’s rights, should be mainstreamed in education curricular at the early stage. This will not only address issues related to gender equality but also prevent problems such as violence against women or domestic violence as well.

Political will to raise awareness on gender equality and parity is also a key factor to promote and strengthen gender equality as a necessary foundation for a peaceful, prosperous and sustainable society.

What other challenges will women face in the future and where do you see a solution for them?

Despite the progress made in the promotion of gender equality and women’s

rights, there are a lot more to be done. This is not an easy task, given the existing challenges and obstacles, which are mostly rooted in cultures and perceptions towards women. Changes take time and challenges do not fade away as quickly as we wish, especially when it involves changing of attitudes. Gender equality needs understandings and being open-minded.

While working towards the goals of gender equality, women need to be reminded that they should continue to encourage and motivate themselves to take further steps and become more engaged and involved. Women need to believe that they should be equally represented. At the same time, woman empowerment is also vital in building up required skills, potentials, and capacities, which will in turn help opening the window of opportunities for women and changing the outdated narratives that stigmatise them. In fact, Women, Peace, and Security (WPS) agenda fits to be used as new narratives on promoting gender parity and women empowerment.

 

UN motto for 2021 is “Women in leadership: Achieving an equal future in a COVID-19 world” what is your opinion on this?

The UN started commemorating the International Women’s Day on March 8th, 1975, almost half a century ago, before formalizing it in 1977 through a resolution adopted by the General Assembly comprising all UN Member States. But the movement to promote equal rights and equal future for women existed since the early 1900s. One of the 3 key turning points was when Austria and some European countries celebrated International Women’s Day for the 1st time in 1911.

The COVID-19 has added even more challenges to everyone around the world, especially vulnerable and at-risk groups. While many women have been making critical contributions to address the outbreak, as front-line actors, medical doctors, healthcare professionals and caregivers, many others have suffered from domestic violence and other forms of ill-treatment, especially during the lockdown periods and due to stress from economic and other challenges in the family. The UN Women even mentioned this situation as “the shadow pandemic” that spread all over the world.

The issue of “leadership” is therefore very relevant and timely during and post-crisis situation. Increasing women leadership and participant in decision-making process will undoubtedly help ensuring and promoting women’s rights. In addition, such issues of women in leadership, equal future and women empowerment should be considered by men in leadership too.

The UN Secretary-General himself has shown such an example by promoting women in leadership position, based on merits. Today, 51% of Under Secretary-General and 46% of Assistant Secretary-General levels are women.

In many Governments, Parliaments or High Courts -including in Thailand and Austria- the proportion of women in those decision-making organs has continued to rise since the first time we commemorated International Women’s Day.

Text: Svetlana Nenadovic-Glusac

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