S.E. Mag. Axel Wech, Leiter der Abteilung Bürgerservice und operatives Krisenmanagement im Ausland (BMEIA) – INTERVIEW

S.E. Mag. Axel Wech, Leiter der Abteilung Bürgerservice und operatives Krisenmanagement im Ausland (BMEIA) / Foto: Diplomacy and Commerce Austria

 Die Entwicklungen in Afghanistan sind besorgniserregend und auch eine Herausforderung für die internationale Gemeinschaft

Ende August dieses Jahres standen die Ereignisse in Afghanistan, der Abzug der amerikanischen Truppen und die Machtübernahme durch die Taliban, im Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit.

Während alle Ereignisse in Ostasien mit Besorgnis verfolgt wurden, organisierte das österreichische Außenministerium die Evakuierung der österreichischen Staatsbürger aus Afghanistan.

Exklusiv für das Magazin Diplomacy and Commerce Austria haben wir mit S.E. Mag. Axel Wech, Leiter der Abteilung Bürgerservice und operatives Krisenmanagement im Ausland  des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) gesprochen, dessen Abteilung diese riskante Aktion leitete. Herr Wech hat diese Aktion persönlich in Kabul erfolgreich durgeführt.

Die Repatriierung von über 7000 Personen war die größte Rückholaktion

Sie waren von 2010 bis 2014 österreichischer Botschafter in Pakistan und waren von Islamabad aus auch für Afghanistan zuständig. Wie sehen Sie die neuesten Entwicklungen in der Region?

Die Entwicklungen in Afghanistan sind besorgniserregend und auch eine Herausforderung für die internationale Gemeinschaft im Zusammenhang mit regionaler Stabilität, Menschenrechten sowie dem Kampf gegen Terrorismus, Menschen- und Drogenhandel. Besonders die Rechte von Frauen und Mädchen sehe ich durch die jüngsten Entwicklungen gefährdet. Derzeit laufen zahlreiche Gespräche auf multilateraler und regionaler Ebene, um die notleidende afghanische Bevölkerung und die Bildung einer inklusiven Regierung zu unterstützen.

Nach langjähriger Tätigkeit in den Botschaften in Brasilien, Pakistan und Afghanistan bis nach Aserbaidschan sind Sie wieder im BMEIA in Wien und als Leiter der Abteilung IV.1 zuständig für Bürgerservice und operatives Krisenmanagement im Ausland. Wie ist es, in Zeiten großer Krisen im Krisenmanagement zu arbeiten?

Krisensituationen bieten bei allen Schwierigkeiten und Belastungen vor allem die Chance, Bürgerinnen und Bürgern schnell und unbürokratisch Hilfe leisten zu können. Ebenfalls ist es schön zu sehen, wie insbesondere die jungen, gerade im Außenministerium aufgenommenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Aufgabe wachsen und rasch selbst bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

 Ihre Abteilung war im vergangenen Jahr für die Evakuierungen im Zusammenhang mit der Pandemie zuständig, und das Außenministerium erhielt viel Lob für die Organisation der Massenevakuierungen von Tausenden von Österreichern, die über die ganze Welt verstreut waren. War es schwierig, so viele Evakuierungen rund um den Globus zu organisieren?

Die Repatriierung von über 7000 Personen war die größte Rückholaktion, die vom Außenministerium je organisiert und durchgeführt wurde.

Natürlich stellt es jede Organisation vor große Herausforderungen in kurzer Zeit eine solche Zahl von Menschen unter weltweit krisenhaften Umständen nach Hause zu bringen. Die erfolgreiche Abwicklung der Mission war nur dank der großen Einsatzbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen im Außenministeriums und unseren Vertretungen im Ausland, der exzellenten Zusammenarbeit mit anderen Ministerien, Luftfahrtunternehmen und unseren EU-Partnern möglich.

Im August dieses Jahres organisierte das Außenministerium die Evakuierung österreichischer Staatsbürger aus Afghanistan.  Sie waren ja persönlich vor Ort, können Sie uns mitteilen, wie es am Flughafen von Kabul aussah?

 Die Situation am Flughafen war den Umständen nach relativ geordnet. Es bestand weniger das Problem die Menschen auf die Flieger zu bringen – es stand genügend Transportraum zur Verfügung. Die Schwierigkeit lag viel mehr darin, den Weg zum Flughafen zu organisieren, die zu Evakuierenden in der Menge zu identifizieren und in den Flughafen zu bringen.

War es schwierig, eine solche Aktion unter diesen Bedingungen der allgemeinen Verwirrung zu koordinieren?

Flexibilität und Improvisation sind in Krisen immer essentiell. Ich möchte aber feststellen, dass mit Hilfe der Kollegen des Verteidigungsministeriums und unserer internationalen Partner die Abwicklung der Evakuierung vom Flughafen sehr gut verlief.
Essentiell war auch die Zusammenarbeit mit dem Krisenstab in Wien und ein rund um die Uhr lückenloser Austausch mit unseren internationalen Partnern und Botschaften in der Region.

Gibt es in solchen Situationen einen Platz für Emotionen, wie haben Sie das persönlich miterlebt?

Natürlich gehen einen Schicksale nahe, aber man muss versuchen, Emotionen weitgehend von sich fern zu halten und mit schwierigen Sachlagen nüchtern umzugehen – auch im Interesse der Menschen, denen es konkret zu helfen gilt. Ich bin froh, dass wir im Außenministerium jedenfalls auch die Möglichkeit haben, gemeinsam mit einer geschulten Psychologin solche Erfahrungen und Eindrücke verarbeiten zu können.  

Wofür ist Ihre Abteilung alles zuständig? 

Das Spektrum unserer Aufgaben ist vielfältig. Wir kümmern uns zum Beispiel um die unterschiedlichsten konsularischen Notfälle von Österreicherinnen und Österreichern im Ausland, angefangen von Hilfen bei in unverschuldeten Notlagen, Unterstützung bei Unfällen bis hin zu Todesfällen im Ausland. Dabei steht immer die Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. Wir stellen österreichischen Reisenden aktuelle Informationen über die Sicherheitslage in ihrer Urlaubsdestination zur Verfügung. Über unsere Auslandsservice App versuchen wir Reisende einfach, aber umfassend zu informieren und sie vor Reiseantritt zur Registrierung bei uns einzuladen. Sollte ihr Reiseziel von einem Krisenfall betroffen werden, können wir sie dann rascher kontaktieren und Hilfe anbieten. Wenn Katastrophen oder Krisen im Ausland es erfordern, organisieren wir die Evakuierung österreichischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Zu unserer Abteilung gehört auch das Call-Center des Außenministeriums, das konsularische Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet und im Notfall 24/7 erreichbar ist. Eine wichtige Aufgabe unserer Abteilung ist auch die Ausbildung junger Kolleginnen und Kollegen in konsularischen Belangen.

Können Sie sich vorstellen, wieder einen diplomatischen Posten im Ausland zu übernehmen, und welcher Teil der Welt wäre für Sie eine Herausforderung?

Diplomaten zeichnet Flexibilität aus. Natürlich möchte ich gerne wieder ins Ausland gehen. Allerdings bleibt bei meiner aktuellen Arbeit wenig Zeit für konkrete Überlegungen. Aber ich bin sicher: Die nächste spannende Aufgabe im Dienste Österreichs kommt bestimmt.

 Text: Svetlana Nenadovic Glusac

Foto: BMEIA

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