Österreichs Unternehmen 2018 mit weltweit 11.227 Patentanmeldungen

Weltweit haben österreichische Unternehmen 11.227 Patente angemeldet. Am meisten Neuanmeldungen gab es aus Oberösterreich. Patentkaiser war einmal mehr der Motorenentwickler AVL List, der es im Berichtszeitraum auf 182 Anmeldungen brachte.

© Husar

46.827 Menschen sind letztes Jahr mit ihren Erfindungen und Ideen ins Patentamt gekommen. Und aus vielen dieser Ideen ist auch wirklich etwas Handfestes geworden – Marken, Patente oder Designs.

„Mit über 10.000 Innovationen hatten wir 2018 alle Hände voll zu tun. Insgesamt ist die Nachfrage nach dem Patentamt gestiegen. Alleine bei den Marken hatten wir mit rund 6.000 Anmeldungen ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch unsere Dienstleistungen wurden um 16 Prozent stärker nachgefragt“, so Patentamtspräsidentin Mariana Karepova bei der Präsentation des Jahresberichts am 28. April 2019.

Was sie besonders freut: Unter den Kundinnen und Kunden des Patentamts finden sich mehr und mehr Startups und kleinere Unternehmen. Gerade diese Gruppe riskiere aber oft aus Unwissenheit, ihre Geschäftsgrundlage an Fälscher zu verlieren. Nur 9 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe in Europa haben ihr geistiges Eigentum in irgendeiner Form geschützt. „Wir arbeiten dran, dass sich das ändert.“

Ein Ergebnis, das auch Bundeminister Norbert Hofer erfreut: „Österreicherinnen und Österreicher bleiben am Erfinden dran. Im Ranking der WIPO, der Weltorganisation für geistiges Eigentum, sind wir EU-weit auf Platz 6 und weltweit auf Platz 11.“

Nach rund 12.000 weltweiten Anmeldungen im Jahr 2017 sind es 2018 zwar um einige hundert weniger, aber das liege „in der Schwankungsbreite“, wie Karepova versicherte und auch kein Grund zur Sorge.

Ausbau der Zukunftstechnologien

Während sich klassische Wirtschaftsbereiche – wie der patentintensivste Bereich Maschinenbau mit plus drei Prozent  – hervorragend entwickeln, brauche es mehr Dynamik in Zukunftsbereichen, so Infrastrukturminister Norbert Hofer. Auch wenn man bei den Zukunftstechnologien Energie-Speichertechnologien, Künstliche Intelligenz (KI) und Autonomes Fahren, in Österreich sehr gut unterwegs sei. Vor allem im letzten Bereich kämen aber beispielsweise nur rund ein Drittel der Patente aus Europa. Österreich liege hier zwar im internationalen Vergleich sehr gut, angesichts der Entwicklungen in Asien müsse Österreich nach Ansicht Hofers jedoch „mehr Forschungsergebnisse einfahren und diese auch weltweit mit Patenten sichern“.

Deshalb sei es wichtig, in diesen Forschungsfeldern weiter vorzubauen und zu investieren. „Wir werden unser Engagement mehr als verdreifachen,“ so Hofer. Förderungen für die kommenden drei Jahre sind von 20 auf 65 Millionen Euro erhöht worden.

Beim Österreichischen Patentamt wurden im vergangenen Jahr 2.744 Patente angemeldet und 1.710 Erfindungen patentiert. Die meisten Anmeldungen (583) kamen wie auch in den vergangenen Jahren aus Oberösterreich, gefolgt von der Steiermark (479) und Wien (441). Gemessen an der Bevölkerung sei aber die Patentdichte in Vorarlberg am höchsten, so Karepova. Erfindungs-Spitzenreiter ist wieder AVL List (182 Erfindungsanmeldungen) vor Julius Blum (67) und der Firma Tridonic (53). Auf Rang sieben findet sich mit der Technischen Universität (TU) Wien die erste Institution aus dem akademischen Bereich (33 Anmeldungen).

„Notorisch untergeschützt“ seien jedenfalls KMU, Start-ups und beispielsweise universitäre Spin-offs, sagte Karepova, die hier aber ein zunehmendes Interesse an des Services des Patentamtes ortet. Durch die von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG vergebenen Patent.Schecks sei man etwa mit 250 Unternehmen in Verbindung getreten, die nicht zu den Profis in Sachen Patente zählen.

Für Patentkaiser und Kleinunternehmen

Helmut List, CEO AVL List: „AVL bietet ihren Mitarbeitern ein Umfeld, in dem kreatives Denken und Handeln gefördert und auch das Beschreiten neuer, unkonventioneller Wege ermöglicht wird. Dank der Innovationskraft der Mitarbeitinnen und Mitarbeiter werden immer neue Lösungen entwickelt, die erst in der großen Zahl an Patenten ihre nachhaltige Wirkung finden und somit wesentlicher Faktor der Differenzierung und unseres Wachstums sind.“

Firmenchef Helmut List vertraut auf das Patentamt. © Rene Prohaska

Etwas anders sind die Bedürfnisse junger und kleinerer Unternehmen, wo es vielfach auch um Beratung gehe, wie der Gründer der Firma Enpulsion, Alexander Reissner, sagte. Mit einem Antrieb für Kleinsatelliten habe man es im zweiten Geschäftsjahr zum Weltmarktführer in einem kleinen, aber wachsenden Markt gebracht. Seitens des Patenamtes sei man etwa auch dahin gehend beraten worden, welches Wissen man aus Gründen der Geheimhaltung vielleicht nicht patentieren lassen sollte, sagte Reissner.

„Bei uns hat alles mit dem PatentScheck begonnen und mit der Beratung durch das Patentamt. Der objektive, unparteiische Blick des Expertenteams des Patentamtes war für uns sehr wichtig.“

Weniger um Hightech-Fragen drehte sich der Beratungsprozess bei Michael Reitinger, Geschäftsführer der Firma Frend. Für seine Unternehmung sei der Kontakt zu den Experten trotzdem zum „absoluten Gamechanger“ geworden, so der Erfinder einer faltbaren Scheibtruhe. „Am Weg von der Idee zum Produkt gibt’s viele Hürden – das Patentamt gehört da nicht dazu.“

Abseits der Erfindungen haben Österreichische Firmen im Vorjahr fast 6.000 Marken beim Patentamt angemeldet – ein Plus von sieben Prozent gegenüber 2017. Mit 1.872 Anmeldungen lag Wien hier deutlich vor Niederösterreich (803) und Oberösterreich (700).

2018 wurden 5.931 Marken beim Österreichischen Patentamt angemeldet – das ist um 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Markenranking führen zwei Salzburger Unternehmen an: Biogena Naturprodukte (35 Markenanmeldungen) und Spar (29). Platz drei geht nach Wien an JBC Vienna (28). Top-Bundesland ist Wien mit 1.872 Markenanmeldungen.

Die größte Chance eine Erfinderin oder einen Erfinder zu treffen, hat man übrigens in Vorarlberg. Das westlichste Bundesland liegt auf Platz eins in Relation zu den EinwohnerInnen.

(infothek.bmvit.gv.at)