Dusan Psenicnik, Botschaftsrat und Leiter der Wirtschaftabteilung Sloweniens: Wir haben die Bemühungen für Ihren sicheren Urlaub nach SAFE & GREEN-Standards aufgenommen

Die Covid-19-Pandemie hat zu beispiellosen Herausforderungen bei den laufenden operativen Aktivitäten der globalen Industrie, dem Handel und der Wirtschaft geführt. Die Weltwirtschaft wurde für mehrere Monate gezwungen, auf die Notbremse zu treten.

Dusan Psenicnik, Botschaftsrat und Leiter der Wirtschaftabteilung der Botschaft der Republik Slowenien in der Republik Österreich

Durch die restriktiven Maßnahmen und den Lockdown,den die Regierungen rund um den Globus durchgeführt haben, wurde die Wirtschaft in einen Winterschlaf versetzt.

Vorsichtig wird die Wirtschaft in jedem Land wieder hochgefahren.Alle Wirtschaftszweige  sind von der Krise – ausgelöst vom Coronavirus – davon betroffen, ohne Ausnahme.

Wie hat sich die Krise auf die Weltwirtschaft ausgewirkt und wie sind die Prognosen für die Zukunft? Darüber haben wir mit Wirtschaftsexperten und Vertretern der ausländischen Wirtschaftskammern in Wien, sowie HandelsvertreterInnen aus Handelsabteilungen und Wirtschaftsdelegierten aus der Diplomatie in Österreich gesprochen.

Wir sprachen für Diplomacy and Commerce Austria mit Dusan Psenicnik, Botschaftsrat und Leiter der Wirtschaftabteilung der Botschaft der Republik Slowenien in der Republik Österreich.

Wie schätzen Sie die Lage ein, stehen wir vor einer ernsthaften Krise,  die lange andauern wird, oder vor einer raschen Erholung der Wirtschaft?

Zweifellos stellt die COVID-19-Krise eine ernsthafte, enorme und historisch beispiellose Herausforderung für alle Volkswirtschaften weltweit dar. Die Konfrontation mit den verschiedenen „Lockdown“-Maßnahmen, „Shutdowns“ für ganze Branchen und Aktivitäten, Unterbrechungen der Lieferketten, Grenzschließungen und Bewegungsbeschränkungen usw. hat ernsthafte wirtschaftliche (und andere) Konsequenzen hinterlassen und hinterlässt diese immer noch im ganzem europäischen Raum und global. Wir alle arbeiten gemeinsam dafür, dass wir die Krise so schnell wie möglich hinter uns haben. Die meisten restriktiven Maßnahmen beruhen tatsächlich auf der Annahme des vorübergehenden Charakters dieser Krise und wurden zumindest in Österreich und Slowenien schrittweise gelockert und beseitigt. Wir sind uns jedoch alle bewusst, dass wir noch einige Zeit mit COVID-19 zu leben lernen müssen. Gemeinsam gewöhnen wir uns an die s.g. „neue Realität“ und wir hoffen, dass durch die Lockerung restriktiver Maßnahmen und zusätzliche Konjunkturimpulse frische Luft für eine rasche Wirtschaftserholung gebracht wird, insbesondere für die am stärksten betroffenen Branchen. Neben den nationalen Maßnahmen sind auch der Wiederaufbaufonds der Europäischen Union eine große Chance für die ganze europäische Wirtschaft. Um es auch nutzen zu können, sollte es zu einer schnellen Vereinbarung kommen, noch früh im Sommer.

Foto: welt-atlas.de

Inwieweit haben die staatlichen Maßnahmen Ihres Landes bisher dazu beigetragen, die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft durch die COVID-19-Pandemie zu verringern?

Slowenien reagierte Mitte März sehr entschlossen auf COVID-19 und verzeichnete bereits im Mai ein hervorragendes epidemiologisches Bild, das zur weiteren Lockerungen und Öffnung der Grenze führte. Slowenien war das erste EU-Land, dass das Ende der COVID-19-Epidemie erklärte (so hatten wir bis zum 15. Juni 1.499 Infektionen und 109 Todesfälle durch COVID-19 verzeichnet).

Als die Pandemie ausgerufen wurde, wurden sofortige Interventionsmaßnahmen eingeführt, um die schädlichen Auswirkungen zu verringern und strategische Maßnahmen zu entwickeln, um der Wirtschaft und der Bevölkerung zu helfen. Wie in Österreich zielten die ersten Maßnahmen auf die Erhaltung von Arbeitsplätzen ab (wie z.B. die Zulagen für das Warten auf Arbeit, die Zahlung von Sozialbeiträgen, Solidaritätszahlungen). Das zweite Paket sollte der Wirtschaft zusätzliche Liquidität durch Kreditgarantien und Steuer- (und andere) Stundungen bieten sowie die Investitionstätigkeit wiederbeleben. Arbeitnehmer mit niedrigeren Löhnen erhielten einen Krisenzuschlag, für bestimmte Zielgruppen legten wir erstmals ein bedingungsloses Grundeinkommen vor, ergänzten die Solidaritätsleistungen für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen, gewährten Zuschüsse den aktivsten Akteuren im Kampf gegen COVID-19 usw.

Viele Unternehmen nutzen die Wartemaßnahmen (285.000 Mitarbeiter; ähnlich wie Corona-Kurzarbeit). Angesichts der vorherrschenden allgemeinen Einschätzung, dass die Maßnahmen der Regierung rechtzeitig, angemessen und wirksam waren, können wir nur wirklich erahnen, welche Folgen die Pandemie ohne diese Maßnahmen haben könnte.

Ljubljana

Der Wirtschaftssektor öffnet und erholt sich ebenfalls langsam. Wie schätzen Sie die Entwicklung in Ihrem Land ein, und wie auf die Globale ebene? 

Es ist anzumerken, dass die Corona-Pandemie die Wirtschaftstätigkeit ungleichmäßig beeinflusst hat, so dass einige Branchen eigentlich ununterbrochen tätig geblieben sind und bestimmte, insbesondere der Tourismus, erst in den letzten Wochen seine Kapazitäten wieder angekurbelt haben. Neben der Öffnung der Grenzen ist es sehr wichtig, Vertrauen in die Sicherheit der gewählten Reise- oder Urlaubserlebnisse aufzubauen. Der erste Gedanke und die erste Gelegenheit vieler Menschen, die seit Monaten in einer beengten Umgebung „gefangen“ worden waren, wird wahrscheinlich der Entspannung in der nahen Nachbarschaft  gewidmet. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass Slowenien eines der sichersten Reiseziele ist, das auch eine grüne Boutique-Destination für anspruchsvolle Besucher und Fünf-Sterne-Erlebnisse ist. Wir haben die Bemühungen für Ihren sicheren Urlaub nach SAFE & GREEN-Standards aufgenommen. Überprüfen Sie auf #ifeelsLOVEnia und #myway, dass Slowenien einen Besuch wert ist.

In vielen anderen Produktions- und Dienstleistungsbereichen, in denen Slowenien in die globalen Lieferketten einbezogen ist, tragen wir natürlich zusammen mit der EU und den globalen Partnern die Höhen und Tiefen im Kampf gegen COVID-19. Die Wirtschaftsströme zwischen den Ländern, die COVID-19 erfolgreich bekämpft haben, werden sich zunehmend entspannen. Wir hoffen, dass zusammen mit Konjunktur-Maßnahmen auch die Nachfrage so bald wie möglich zurückkehrt und die Prozesse bzw. Kapazitäten mindestens auf dem Niveau der vergangenen ausgezeichneten Jahren wiederhergestellt werden. 

Die slowenische Regierung hat kürzlich eine Liste von 187 wichtigen Investitionen in Höhe von bis zu 7,7 Mrd. EUR in den Bereichen Verkehr, Energie, Umwelt und regionale Entwicklung verabschiedet, die für den Start der Wirtschaft nach dem Ende der Epidemie von entscheidender Bedeutung sind und schneller realisiert werden können. Dies kann auch eine außergewöhnliche Gelegenheit für ausländische Investoren sein, wobei Standard & Poors in den letzten Tagen die Bonität Sloweniens mit einem stabilen Ausblick bestätigt hat. Wir haben also Grund zum Optimismus.

Experten auf der ganzen Welt machen verschiedene Ankündigungen über die zukünftigen Szenarien dieser Pandemie, von der Behauptung, dass im Herbst eine zweite Welle erwartet wird, bis zu der Behauptung, dass es überhaupt keine zweite Welle geben wird.  Bereiten Sie sich auf beide Szenarien vor und was passiert, wenn das, was alle befürchten, ein neuer Lockdown erneut eintritt?   Wird es zusätzliche Maßnahmen geben?

Die Corona-Pandemie und ihre Dimensionen führen in alle Prognosen, insbesondere aber in die wirtschaftlichen, ein sehr ausgeprägtes Element der hohen Unsicherheit ein. Die OECD hat zBs. letzte Woche die Wirtschaftsprognosen für Länder sowohl im “Single-Hit”- als auch im “Double-Hit”-Szenario vorgelegt, mit einer Schätzung eines wirtschaftlichen Abschwungs für Österreich im Jahr 2020 von -6,2% des BIP und mehr als 7% im Wiederholungsszenario. Für Slowenien, das als noch offenere Volkswirtschaft gilt, wird ein Rückgang des BIP um -7,8% und im Szenario eines erneuten Auftretens ein Rückgang des BIP um mehr als 9% veranschlagt. Und wir sprechen hier über zwei Nachbarländer, die zur Zeit sehr erfolgreich COVID-19 bewältigt haben, und wo schon im Jahr 2021 erneut eine rasche wirtschaftliche Erholung und ein hohes BIP-Wachstum erwartet wird.

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viel gelernt, daher glaube ich, dass ev. zusätzliche notwendige Maßnahmen der Regierungen viel gezielter sein können und dass auch die Bürger besser darauf vorbereitet sind. Daher werden neue mögliche begrenzte Ausbrüche keine so starken negativen wirtschaftlichen Auswirkungen haben, könnten aber natürlich die Erholungsprozesse verlängern. 

 (Svetlana Nenadovic-Glusac)

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