ALBERTINA Ausstellung: Die Schrecken des Kriegs – Goya und die Gegenwart

 

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung “Die Schrecken des Kriegs – Goya und die Gegenwart” fand am Dienstag, dem 24. Mai, eine Pressekonferenz in der Albertina statt.

Die Schrecken des Krieges sind immer verheerend, egal wann sie passieren. Die Idee von Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder, Generaldirektor der ALBERTINA, war es, die Parallelen zwischen den Kriegsereignissen des 19. Jahrhunderts und den Radierungen von Francisco de Goyas sowie die aktuellen Ereignisse in der Ukraine und den Fotografien von Mykhaylo Palinchak aufzuzeigen.

Die versammelten Medienvertreter wurden von Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder mit einer ausführlichen Rede über die Ausstellung “Die Schrecken des Kriegs – Goya und die Gegenwart” informiert.

Dann folgten Reden von S.E. Yevhenii Tsymbaliuk, Botschafter und Ständiger Vertreter der Ukraine bei den Internationalen Organisationen in Wien, Doron Rabinovici, Schriftsteller und Historiker, Wolodymiyr Kolomietz, Erster Botschaftssekretär, Botschaft der Ukraine in Österreich, und des Fotografen Mykhaylo Palinchak, dessen Fotografien in Rahmen dieser Ausstellung in der Albertina ausgestellt sind.

S.E. Yevhenii Tsymbaliuk, Botschafter und Ständiger Vertreter der Ukraine bei den Internationalen Organisationen in Wien, Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder, Generaldirektor der ALBERTINA, Fotograf Mykhaylo Palinchak, Doron Rabinovici, Schriftsteller und Historiker, und Wolodymiyr Kolomietz, Erster Botschaftssekretär, Botschaft der Ukraine in Österreich (v.r.n.l.)

Der Ausstellung “Die Schrecken des Kriegs – Goya und die Gegenwart”

Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 dokumentiert der Fotograf Mykhaylo Palinchak (*1985) die Zerstörung seines Heimatlandes und die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die Bilder der Ruinen von Wohnblöcken, der Toten und Überlebenden, der Menschen auf der Flucht und jenen, die vor Ort geblieben sind, überliefern eindrücklich die unmittelbaren Folgen des Krieges.

Die ALBERTINA stellt rund 40 aktuellen Kriegsfotografien Palinchaks, der sich in seinen Arbeiten wiederholt mit einschneidenden politischen Entwicklungen in der Ukraine auseinandergesetzt hat, Goyas Los Desastres de la Guerra gegenüber. Goyas Darstellungen des Krieges vom Beginn des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung der ALBERTINA belegen ebenso wie die Fotografien Mykhaylo Palinchaks die universelle Brutalität des Kriegsgeschehens sowie das Leid der Zivilbevölkerung.

Mykhaylo Palinchak

Mykhaylo Palinchakwird 1985 in Uschhorod in eine Künstlerfamilie geboren – auch sein Vater ist Fotograf. 2008 entstehen seine ersten professionellen Arbeiten, die bereits im November desselben Jahres gemeinsam mit seinem Vater erstmals ausstellt. Palinchak arbeitet in unterschiedlichen Regionen der Ukraine, erzählt in seinen Fotografien die Geschichte seines Landes und wirft einen scharfen, oftmals kritischen Blick auf die Menschen, die dort leben. Seine Serien dokumentieren Landschaften der ehemals beliebten Erholungs- und Kurorte an der Küste des Asowschen Meeres, das Dorf Schyrokyne in der Region Donezk, Tschernobyl, Solotwyno sowie das Zentrum von Kiew. Das Gesamtbild, das er zeichnet, gewährt dem Betrachter einen erschütternden Einblick in das Leben der ukrainischen Bevölkerung.

FRANCISCO DE GOYA / Los Desastres de la Guerra: Lo mismo – Dasselbe, 1812-1815 / Radierung, Aquatinta / ALBERTINA, Wien
FRANCISCO DE GOYA / Los Desastres de la Guerra: Se aprovechan | Sie machen sich’s zunutze, 1810 – 1812 / Radierung / ALBERTINA, Wien

Francisco de Goya

Francisco de Goya (Fuendetodos 1746–1828 Bordeaux) ist der bedeutendste spanische Künstler am Beginn der Moderne. Ausgehend von spätbarocker lokaler Malerei und der Kunst Tiepolos vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel im Stil seiner Bilder, die in schonungslosem Realismus gesellschaftliche Missstände anprangern, Unheimliches und Bedrohliches in fantastischen Visionen zum Ausdruck bringen und mit teilweise provokanten Themen derart Anstoß erregen, dass sich Goya vor der Inquisition rechtfertigen muss.

Die radikalen Neuerungen seiner Kunst finden ihren Niederschlag besonders in einer Reihe druckgrafischer Serien, darunter die hier ausgestellten Desastres de la Guerra, die erst 1863 in Madrid als 80 Radierungen herausgegeben werden. In ihnen nimmt Goya den Spanienfeldzug Napoleons (1808–1814) zum Anlass, die Grausamkeiten des blutigen Krieges zu kritisieren. Auf Bilder des Mordens, Folterns und der Schändung von Frauen folgen Szenen, welche die trostlosen Umstände der Hungersnot 1811/1812 zeigen, die Tausenden das Leben kostete. Allegorische Darstellungen setzen sich sodann kritisch mit der Zeit nach dem Krieg unter dem reaktionären Regime König Ferdinands VII. auseinander.

Mykhaylo Palinchak / Ohne Titel, 2022 / C-Print / Im Besitz des Künstlers © Mykhaylo Palinchak
Mykhaylo Palinchak / War (Borodyanka, Ukraine), April 6, 2022 / C-Print / Im Besitz des Künstlers © Mykhaylo Palinchak

Goya dokumentiert keineswegs Ereignisse, vielmehr steigert er mit bildkünstlerischen Mitteln ihre Dramatik und lässt ihnen eine tiefere Bedeutung zukommen. Schmerzverzerrte Gesichter, die sich tief ins Gedächtnis einprägen, stehen für das entsetzliche Leid grausam Getöteter, und das unmenschliche Vorgehen der Franzosen versinnbildlicht eine von niedrigsten Instinkten getriebene Soldateska, für die das Morden reine Pflichterfüllung ist und die beim Anblick eines Gehenkten sogar Vergnügen empfindet. Übereinander gehäufte Leichen stehen für die anonyme Masse Getöteter, denen der Krieg ihre Namen und ihre Würde geraubt hat. Goya rückt wenige Figuren ins Zentrum, verdichtet die Handlung durch nachdrückliche und ausgreifende Bewegungen und macht die Kernaussage in zugespitzter Form sofort verständlich. Das spannungsvolle Helldunkel steigert ebenso die Dramatik wie die trostlosen Hintergründe: abgestorbene Bäume, finstere Mauern, welche die Rohheit der Gräueltaten unterstreichen, oder dunkle Wolkenschwaden, in denen der Geruch der Leichen aufsteigt.

Goya prangert auch die eigenen Landsleute an, etwa die nicht minder abscheulichen Verbrechen der Spanier, die Kaltherzigkeit Begüterter gegenüber Sterbenden, die Frauen, die zu mordenden Furien werden, und die verlogene Frömmelei des Klerus. Goyas Kritik richtet sich somit allgemein gegen die Sinnlosigkeit des Krieges und seine Folgen. Nie hat ein Künstler dies eindringlicher zum Ausdruck gebracht.

ALBERTINA

Ausstellung: Die Schrecken des Kriegs Goya und die Gegenwart

24. Mai bis 21. August 2022

 

 

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