
Am Donnerstag, dem 5. März lud S.E. Fate Velaj, Botschafter von Albanien in der Republik Österreich, zu Kunstausstellung „Das rot zwischen dir und mir“ in der Vienna Grand Gallery, ein.
„Nach langen Jahren außerhalb der Wiener Kunstszene – mit Ausstellungen unter anderem in New York, Cleveland, Brüssel, Namur, Athen, Rom, Otranto, Brindisi, Birmingham, Kairo, Bukarest, Tirana, Prishtina, Skopje… – kehre ich nun mit einer umfassenden Ausstellung nach Wien zurück. Ich präsentiere mich als Maler, Fotograf und Romancier und zeige ein vielschichtiges Werk, das die Grenzen zwischen Bild, Wort und Wahrnehmung überschreitet.“– stand in der Einladung von begabten Künstler und Botschafter Fate Velaj.
Die Ausstellung vereint Malerei, Fotografie und literarische Reflexion zu einem künstlerischen Gesamtansatz – ein Denken in Farben, in menschlichen Geschichten im RAW-Format und in Worten.
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Fragment aus Botschafter Fate Velaj Rede zur Eröffnung der Ausstellung:
Guten Abend,
Good evening,
Mirëmbrëma,
Kalispera,
Buenas noches,
Dobro veče.
Ich begrüße Sie in einigen der Sprachen, die viele der heute Abend Anwesenden sprechen.
…In der Kunstgeschichte ist der Zufall seit langem Teil des kreativen Prozesses – vom Dadaismus über den Surrealismus bis zum Action Painting.
Eine Strömung, die auch in den Bildern dieser Ausstellung präsent ist.
Doch der Zufall bei der Eröffnung einer Ausstellung ist keine Kunstrichtung.
Er ist einfach ein Ereignis des Lebens.
Ein Zeitungsartikel über „den ungewöhnlichen Botschafter Albaniens in Wien und eine Botschaft, die an die Tate Modern erinnert“ führte mich wieder zu Wolfgang Bandion, einem alten Freund, mit dem ich lange den Kontakt verloren hatte.
Als er die Bilder in der Botschaft sah, begann er sofort mit den Vorbereitungen für diese Ausstellung.
Meine Werke überzeugten schließlich auch den Galeristen Nick Barda.
Der Zufall wollte es, dass diese Ausstellung mit dem 35-jährigen Jubiläum meiner ersten Ausstellung in Österreich zusammenfällt – damals in einer kleinen Stadt, in Scheibbs-weit entfernt von Wien.
Eine bescheidene Ausstellung.
Mit wenigen Arbeiten.
Doch sie entzündete ein kleines Feuer in mir.
Heute fällt diese Ausstellung zudem mit dem 25-jährigen Jubiläum meiner ersten Ausstellung in Wien zusammen, die in dieser Stadt eine größere Flamme entfachte und mich auf Wege in die europäischen Metropolen – und noch weiter – brachte.
Oft werde ich gefragt:
Wie bist du zur Malerei, zur Fotografie und zur Literatur gekommen?
Meine Antwort ist immer dieselbe:
“Im Anfang war die Farbe.
Und die Farbe war die Malerei.”
Als meine Malerei vom Konkreten ins Abstrakte überging, erwachte ein anderes Bedürfnis:
das Bedürfnis nach dem Konkreten.
So kam die Fotografie.
Meine Fotografien wurden zu Menschen – Menschen, die etwas zu erzählen haben. Menschen, die einst ein anderes Leben führten und das Bedürfnis verspürten, davon zu berichten.
Hier entstand der Wunsch:
ihnen das Wort zu geben.
So entstand das Wort – die Literatur.
Vor zwei Jahren eröffnete ich eine Ausstellung meiner Fotografien im Museo d’Arte Contemporanea di Cosenza.
Titel: „Fate non si fermò a Eboli“ –
eine Provokation gegenüber Carlo Levis Roman „Cristo si è fermato a Eboli“, was bedeutet:
„Die Zivilisation ist in Eboli stehen geblieben.“
Wenn Carlo Levi diese Abwesenheit von Zivilisation 1935 während seines antifaschistischen Exils in Aliano (Basilicata) erlebte, wo er von Mussolinis Regime ins Exil geschickt wurde und bittere Armut ertragen musste, dann habe ich ähnliche Zustände an vielen Orten der Welt – auch heute noch – gesehen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
viele dieser Arbeiten entstanden,
als Sie schliefen.
Um drei …
oder vier Uhr morgens.
Nicht nur Sie.
Ganz Wien schlief.
Mozart schlief.
Beethoven schlief.
Schubert und Strauss schliefen.
Vielleicht malte Klimt noch „Der Kuss“ – aber das lässt sich nicht beweisen.
Der Einzige, der wach war,
war ich.
Und ich malte.
Nicht Klimts Kuss –
sondern „das Rot zwischen dir und mir“,
ein Teil dessen ist heute hier zu sehen.
Dafür danke ich Ihnen,
dass Sie Zeit und Weg gefunden haben, diese Werke zu sehen;
meinen Kollegen, den Botschaftern aus aller Welt, die mich mit ihrer Anwesenheit ehren;
und vor allem, meiner Frau Klara, die nie klagte, wenn ich mitten in der Nacht aufstand, um zu malen –
obwohl dabei, in den meisten Fällen, auch etwas Lärm entstand.
Text: Svetlana Nenadovic Glusac
Fotos & Video Copyright: Magazine Diplomacy&Commerce Austria






