S. E. Herr Dmitrij Ljubinskij, Botschafter der Russischen Föderation: Die jetzige Krise sollte wichtiger Anlass sein, Handelskriege und willkürliche Sanktionen zu beenden

Wir haben die Botschafterinnen und Botschafter der diplomatischen Gemeinschaft in Wien befragt, um herauszufinden wie die Botschaften ihre diplomatischen Aktivitäten im Ausnahmezustand organisiert haben, über die Maßnahmen der Regierung zur Unterstützung und Rettung der Wirtschaft, sowie wie sie die private Zeit in Zeiten der Pandemie verbringen und was sie zuerst machen werden, nachdem die aktuelle Situation beendet ist.

 

Wir sprachen für Diplomacy and Commerce Austria mit S.E. Dmitrij Ljubinskij, Botschafter der Russischen Föderation in der Republik Österreich.

Wie hat sich die aktuelle Situation auf die Aktivitäten der Botschaft ausgewirkt?

Die Botschaft befolgt die allgemeinen Vorgaben zur Eindämmung des Coronavirus der österreichischen Bundesregierung. Mitarbeiter, deren Tätigkeitsfeld es erlaubt, arbeiten zurzeit im Home-Office. Auch die Schule bei der Botschaft hat den Unterricht ins Internet verlegt.

Die größte Priorität gilt dieser Tage der Unterstützung der russischen Staatsbürger, die aufgrund des Flugverkehrstopps Österreich nicht verlassen können. Die Online-Kontakte mit unseren österreichischen Partnern bleiben selbstverständlich erhalten. Die Planung und Entwicklung unserer bilateralen Projekte wird fortgesetzt.

Wie kommentieren Sie die Maßnahmen der Regierung zur Unterstützung und Rettung der Wirtschaft? (beide Länder / Österreich und Russland)

Die Ausbreitung von COVID-19 stellt die Wirtschaften vieler Länder vor immensen Herausforderung. Unterstützungsmaßnahmen, die Russland und Österreich vorgesehen haben, sollen den heimischen Unternehmen helfen, diese für uns alle schwierige Zeit zu überstehen.

Wichtig erscheint dabei aber auch der internationale Solidaritätsgedanke. Die jetzige Krise sollte wichtiger Anlass sein, Handelskriege und willkürliche Sanktionen zu beenden, sowie grenzübergreifende „grüne Korridors“ für die Lieferungen von Nahrung, medizinischer Ausrüstung und Technologien einzuführen.

S.E. Herr Dmitrij Ljubinskij, Botschafter der Russischen Föderation, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Außenminister Alexander Schallenberg / Foto: BKA / Dragan Tatic

Wie verbringen Sie Ihre private Zeit in Zeiten der Pandemie?

Durch die Einschränkungen gibt es leider viel weniger Möglichkeiten den üblichen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen, z.B. im kulturellen oder sportlichen Bereich. Durch eine Vielzahl neuer beruflicher Aufgaben, die oft ein kreatives Herangehen benötigen und daher manchmal viel mehr Leistung erfordern, bleibt nicht mehr so viel freie Zeit übrig. Wir haben uns alle an diesen ungewöhnlichen Lebensstil, bei dem auch ein Treffen unter Freunden jetzt im Internet stattfindet, mit Bedauern einigermaßen gewöhnt.

Was werden Sie zuerst machen, nachdem die aktuelle Situation beendet ist?

Ich freue mich auf die Wiederaufnahme des kulturellen Lebens in Österreich. Im Rahmen des Jahres der Literatur und des Theaters Russland-Österreich 2020-2021 und des Gesellschaftsforums Sotschi-Dialog werden dann viele sehr interessante Veranstaltungen stattfinden, die ich mir auf keinen Fall entgehen lassen werde. Und die direkten Kontakte mit unseren österreichischen Partnern und Freunden würde ich äußerst gern schnellstmöglich wieder aufnehmen, auch in den bildschönen österreichischen Bundesländern.

Svetlana Nenadovic-Glusac