ALBERTINA PRÄSENTIERT: Weltweit erstes Online-Werkverzeichnis der Zeichnungen von Gustav Klimt

Gustav Klimt /Mädchen (Julia) und Handstudien (Studien für „Shakespeares Globetheater“, Wiener Burgtheater), 1886/87 / © ALBERTINA, Wien

Launch von neuen Werkverzeichnissen Online im Zuge der Digitalisierungsoffensive der ALBERTINA

Die ALBERTINA veröffentlicht mit heutigem Tag den ersten Teil des Online Werkverzeichnisses sämtlicher Zeichnungen von Gustav Klimt sowie jene von Florentina Pakosta (Zeichnungen und Gemälde) und Max Weiler (Zeichnungen). Die Werkverzeichnisse ermöglichen ein rasches Erfassen neuer Erkenntnisse und neu identifizierter Zeichnungen. Sie machen durch interaktive Verknüpfungen von Informationen bislang verborgene Zusammenhänge sichtbar und werden ständig erweitert. Dabei setzt die ALBERTINA auf technologisch modernste Lösungen und entwickelte das Online-Tool am neuesten Stand digitaler Möglichkeiten.

„Die ALBERTINA versteht sich als zentraler Knotenpunkt eines weit verzweigten internationalen Netzwerks der Forschung, pflegt einen intensiven Austausch mit Forschenden weltweit und fungiert als offene Anlaufstelle, die Expert:innen ausdrücklich einlädt, ihre Erkenntnisse, Hinweise oder Fragen aktiv in diesen fortlaufenden Forschungsprozess einzubringen“, so ALBERTINA-Generaldirektor Ralph Gleis.

 

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Digitaler Zugang

Die digitale Strategie der ALBERTINA zielt darauf ab, den Zugang zur Sammlung nachhaltig zu erweitern. Auf der Website Sammlung Online sind derzeit rund 300.000 Werke weltweit verfügbar und ermöglichen einen niederschwelligen Zugang zum Bestand. Zugänglichkeit bedeutet dabei auch, Kunst jederzeit und ortsunabhängig verfügbar zu machen. Die Website wurde technologisch auf den neuesten Stand gebracht und konsequent benutzerfreundlich weiterentwickelt. Dadurch erreicht die ALBERTINA ein breites internationales Publikum und schafft die Grundlage für eine noch stärkere Vermittlung und Vernetzung ihrer Inhalte: Forschungsergebnisse und deren Verbindung zu Ausstellungen werden so sichtbarer. Parallel dazu wurden auch die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen neu ausgerichtet: Aufgaben, die bislang extern umgesetzt wurden, liegen nun in der Verantwortung der eigens gegründeten Abteilung „Sammlungs- und Kunstdatensoftware“.

Diese Bündelung interner Kompetenzen schafft nachhaltige Strukturen und erleichtert insbesondere die künftige Entwicklung und Veröffentlichung weiterer digitaler Werkverzeichnisse. Durch die hauseigene Entwicklung der Plattform ergeben sich zudem neue Möglichkeiten, innovative Zugänge zur Sammlung unmittelbar aus der institutionellen Praxis heraus zu entwickeln und umzusetzen. Erste Ansätze zeigen sich in explorativen Funktionen wie einem Zufallsgenerator zur spielerischen Annäherung an den Bestand oder in maßgeschneiderten Präsentationsformen einzelner Projekte, etwa bei den „Historischen Klebebänden“, dessen digitalisierte Bände virtuell durchblättert werden können.

Gustav Klimt / Studie für „Unkeuschheit“ im Beethovenfries, 1901 / Schwarze Kreide auf Papier / © ALBERTINA, Wien

WERKVERZEICHNISSE

Im Kontext der digitalen Offensive gilt der Blick auch vermehrt den in der ALBERTINA entstehenden digitalen Werkverzeichnissen, die eigene Bestände, aber auch Material anderer privater und institutioneller Sammler für die Forschung erschließt. Neben den bereits erwähnten digitalen Werkverzeichnissen von Klimt, Pakosta und Weiler, die nun an den Start gehen, wird in der ALBERTINA beispielsweise bereits weiter an jenen zum druckgraphischen Werk von Arnulf Rainer und Alex Katz gearbeitet.

Gustav Klimt

Seit Jahrzehnten wird der Bestand zu Gustav Klimt in der ALBERTINA systematisch erforscht und bearbeitet. Die Sammlung ist mit Gustav Klimt durch ihren repräsentativen Bestand von rund 200 Zeichnungen und dem Besitz eines Gustav-Klimt-Archivs eng verbunden. Es ist ein lang gehegter Wunsch der Forschung, die Zeichnungen von Gustav Klimt an einem Ort leicht zugänglich zur Verfügung zu haben.

„Ich freue mich, dass das Klimt-Online-Werkverzeichnis nach jahrelanger Forschung jetzt einen ersten Schritt in die Öffentlichkeit gehen kann. Ein Werkverzeichnis, das an die 5000 Arbeiten zählt, ist natürlich ein ambitioniertes Unterfangen und bedarf großer Genauigkeit und Ausdauer. Ich freue mich auf die Erweiterungen, die das Werkverzeichnis in den nächsten Jahren etappenweise erfahren wird, und wünsche mir regen Austausch mit Forscher:innen und Sammler:innen,“ so Generaldirektor Ralph Gleis.

„Der neu präsentierte digitale Catalogue Raisonné eröffnet mit der interaktiven Verknüpfung von Informationen – von Provenienzen, Ausstellungsgeschichten und ausführlichen Literaturangaben bis zu wissenschaftlichen Texten zu einzelnen Blättern – die Möglichkeit, neue Zusammenhänge zu erschließen und sichtbar zu machen. Der erste Teil mit rund 1800 Werken aus den Schaffensjahren bis inkl. 1903 wird nunmehr allen Forscher:innen und der  interessierten Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich gemacht. Weitere Werkgruppen und Inhalte werden laufend veröffentlicht“, so ALBERTINA-Chefkuratorin Elisabeth Dutz.

Sämtliche Zeichnungen an einem Ort

Das Online-Werkverzeichnis fußt zunächst vor allem auf der kuratorischen Arbeit und Forschung von Alice Strobl, die den wesentlichen Grundstein für die Klimt-Forschung innerhalb der ALBERTINA legte und in den 1980er-Jahren erstmals ein vierbändiges Werkverzeichnis der Zeichnungen im Verlag Galerie Welz GmbH veröffentlichte. Auf dieser Basis führte ab den 1990er-Jahren Marian Bisanz-Prakken, die zunächst als enge Mitarbeiterin Strobls an der Erstellung des Werkverzeichnisses und vor allem der chronologischen Verortung der bis dahin größtenteils undatierten Blätter maßgeblich beteiligt war, die wissenschaftliche Erarbeitung des Bestandes durch weitere intensive Recherche-, Ausstellungs- und Publikationstätigkeit fort. In diese Linie reiht sich nun die Erstellung einer digitalisierten Auflage eines Werkverzeichnisses der Zeichnungen Gustav Klimts durch Elisabeth Dutz ein, die alle seither neu aufgefundenen Zeichnungen und den Letztstand der Forschung berücksichtigt – und laufend um Werke und neue Erkenntnisse erweitert werden.

Florentina Pakosta

Die ALBERTINA präsentiert das erste digitale Werkverzeichnis von Florentina Pakosta (geb. 1933). Die Wiener Künstlerin ist mit über 80 Werken in der Sammlung der ALBERTINA vertreten: Künftig wird ihr herausragendes Schaffen auch auf dem elektronischen Weg einfach und niederschwellig einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das neue, digitale Werkverzeichnis bietet nun online einen ersten Überblick über das gesamte künstlerische Schaffen der Künstlerin mit rund 3.000 Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälden aus über 70 Jahren künstlerischer Tätigkeit. Es ist das Ergebnis mehrjähriger Recherchen, wissenschaftlich von Melissa Lumbroso erarbeitet, und nach thematischen Schwerpunkten gegliedert. Zugleich versteht es sich als ein „Work in Progress“, das aktuelle Forschungen und Erweiterungen laufend miteinbezieht. Eine illustrierte Biografie und eine Bibliografie runden das Werkverzeichnis ab.

Gustav Klimt / Studie für „Diesen Kuss der ganzen Welt“ im Beethovenfries, 1901 / Schwarze Kreide auf Papier / © ALBERTINA, Wien