
Die Ausstellung ist bis 16. November 2025 in der ALBERTINA KLOSTERNEUBURG zu sehen.
Nach der Eröffnung von De Sculptura mit den Bereichen von Jonathan Meese bis Eva Beresin und Annette Messager bis Martha Jungwirth in diesem Frühjahr wird die großangelegte Gesamtschau zur Skulptur aus der Sammlung der Albertina nun mit der Präsentation von Roy Lichtenstein bis Andreas Slominski vervollständigt.
Roy Lichtensteins Brushstrokes, Alex Katz’ Cut-outs, Andreas Slominskis Chamäleon: Wie Stichproben aus der jüngsten Kunstgeschichte des späten 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart veranschaulichen diese Werke unterschiedliche Ansätze in der zeitgenössischen Skulptur und Objektkunst. Spezifische bestimmende Aspekte des Genres führen sie exemplarisch vor Augen. Anders als in der Malerei beziehen dreidimensionale Ausdrucksformen den Raum unmittelbar mit ein. Und anders als ein Bild wirkt eine Skulptur zuallererst als reales Objekt. Man tritt in eine räumliche Beziehung damit – Begegnung wird automatisch zum Erleben. Dieser Unmittelbarkeit misst die heutige Kunstkritik besondere Bedeutung bei, und die Skulptur erhebt mehr denn je den Anspruch, eine Königsdisziplin der Kunst zu sein.

Schon deshalb hat die Albertina Klosterneuburg sich 2025 ganz dem Motto De Sculptura verschrieben. Die Präsentation lotet aus, was das Skulptur und Plastik heute in der Kunst bedeuten: Sie gibt einen Einblick in das Schaffen von etablierten und jüngeren Künstler*innen, national und international, die mit ihren Arbeiten in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Albertina vertreten sind. Längst ist die Skulptur nicht mehr nur in Stein gemeißelt. In den vergangenen Jahrzehnten ist sie von ihrem Podest herabgestiegen und zum Objekt geworden. Der Begriff wird heutzutage sehr weit gefasst, und das spiegelt sich im breiten Spektrum der Ausdrucksformen in der Ausstellung wider. Wir erleben heute in der Skulptur die Auseinandersetzung mit Aspekten der klassischen Tradition ebenso wie mit moderner Warenästhetik und Industrieproduktion, aber auch mit den Möglichkeiten von Massenkommunikation und -medien. Zudem stehen heute mehr und immer radikalere skulpturale Materialien und Medien zur Verfügung: Alltags- und Industrieprodukte, Kunststoffe, Gummi und Textilien – der Vielfalt der Möglichkeiten scheinen keine Grenzen gesetzt.

Dies wird in der Präsentation an Werken von Andreas Slominski, Cornelius Kolig, Erwin Wurm oder Claudia Märzendorfer deutlich. Neben experimentell eingesetzten neuen Materialien finden sich in vielen Arbeiten aber auch klassische Werkstoffe der Plastik wie Bronze, Holz, Glas oder Keramik. Oftmals jedoch werden sie mit unkonventionellen, überraschenden Kontexten verknüpft und so neu in Szene gesetzt.
Beispielsweise entwickelt Roy Lichtenstein im Zusammenhang mit seinen ins Monumentale gesteigerten Stillleben in den 1970er-Jahren erste Bronzeskulpturen flacher, überdimensionierter Gläser und Kaffeetassen, die er mit wenigen Primärfarben bemalt. Diese Skulpturen zitieren das Blow up der Werbung, die überwältigende Überlebensgröße. Sie sind nicht mehransichtig, sondern – mit Schau und Rückseite – frontal wie Gemälde. Und obwohl aus dem altehrwürdigen Material Bronze gefertigt, sehen sie aus wie Fabrikware. Auch einzelne Pinselstriche entsteigen Lichtensteins Bildern und werden zu starren dreidimensionalen Objekten – den Brushstrokes.
Seit 1959 schafft Alex Katz seine sogenannten Cut-outs: entlang figürlicher Umrisslinien ausgeschnittene flache Metallskulpturen, bemalt oder bedruckt. Sie gehen aus der aus der Collage hervor, mit der er damals experimentiert. Während in den Gemälden die flachen Hintergründe und die herangezoomten Köpfe in den Raum des Betrachters rücken, transportieren die Cut-outs die traditionelle Porträtmalerei nun tatsächlich mitten in den realen Raum.
Gänzlich anders Andreas Slominski: Seine Kunst grenzt sich durch ihre Formensprache und Performativität gänzlich von der herkömmlichen Plastik ab. Immer schwingt in seinen Werken das Wissen um die ganze Grammatik zeitgenössischer Bildhauerei mit, ob es nun um die Erweiterung des skulpturalen Denkens oder die “Erlebbarkeit” von Skulptur durch aktionistische Momente geht.

Andreas Slominski ist ein “Fallensteller” – ein Meister der Tarnung und der Verblendung, der die Grenzen zwischen Kunst und Leben verwischt. Er fordert uns auf, genau hinzusehen, spielt dabei mit unserer Vorstellungskraft und setzt sich ernsthaft und scharfzüngig-kritisch mit den Widersprüchen des Lebens auseinander. Als einer der wichtigsten deutschen Künstler unserer Zeit, ist er für seine vielschichtigen Objekte und Installationen bekannt. Dies gilt für seine “Fallen”, die ihn bereits in den 1990er Jahren berühmt machen, ebenso, wie für seine seit 2016 entstehenden Garagentore oder seinen leuchtendbunten Reliefs. Slominski hinterfragt stets die traditionellen Gattungen der Skulptur und Ölmalerei; stets zwingt er uns, unsere Erwartungen und unseren hohen Anspruch an die Kunst immer wieder aufs Neue zu überdenken. Mit einer großzügigen Schenkung, die herausragende Arbeiten all dieser verschiedenen Werkgruppen umfasst, hat sich die Sammlung zeitgenössischer Kunst ein weiteres Mal um einen essentiellen Meilenstein der Kunstgeschichte erweitert. Ebenso bildet die Donation einen wichtigen Teil der aktuellen Präsentation in der Albertina Klosterneuburg.
Die Ausstellung ist bis 16. November 2025 in der ALBERTINA KLOSTERNEUBURG zu sehen.