
Krems an der Donau – Von 18. bis 22. Mai 2026 findet das 30. Europa-Forum Wachau in Niederösterreich statt und feiert damit ein bedeutendes Jubiläum einer der renommiertesten europäischen Dialogplattformen. Seit drei Jahrzehnten versammelt das Forum führende Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, um zentrale Zukunftsfragen Europas zu diskutieren.
Unter dem Motto „The Next 30“ steht die diesjährige Ausgabe ganz im Zeichen der kommenden Herausforderungen Europas – von geopolitischen Entwicklungen über wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit bis hin zu Digitalisierung, Sicherheit und europäischer Integration. Die Veranstaltungen finden traditionell an mehreren Orten in der Wachau statt, darunter Krems an der Donau, das Stift Göttweig und Grafenegg.
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Ein hochrangiges Teilnehmerfeld aus europäischen und internationalen Entscheidungsträgern wird erwartet. Zu den Keynote-Speakern zählen unter anderem Mitglieder der Europäischen Kommission sowie Außenministerinnen und Außenminister aus EU-Mitgliedstaaten und Partnerländern.

Neben der politischen Ebene bringen sich auch internationale Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ein. „Die Verbindung von Politik, Wirtschaft und Forschung ist entscheidend, um Europas Zukunft nachhaltig zu gestalten“, heißt es aus dem Kreis der wissenschaftlichen Teilnehmer.
Zu den teilnehmenden Ländern zählen traditionell Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande sowie Staaten aus dem westlichen Balkan und dem Donauraum. Damit bleibt das Europa-Forum Wachau eine zentrale Plattform für den europäischen und internationalen Austausch auf höchster Ebene.
English:
30 Years of the Europa-Forum Wachau: Anniversary Edition Brings Europe’s Decision-Makers to the Wachau Region
Krems an der Donau — From May 18 to 22, 2026, the 30th Europa-Forum Wachau will take place in Lower Austria, marking a major anniversary for one of Europe’s most respected dialogue platforms. For three decades, the forum has brought together leading figures from politics, business, science, and civil society to discuss key issues shaping the future of Europe.
Under the theme “The Next 30,” this year’s edition is dedicated to the challenges ahead for the continent — ranging from geopolitical developments and economic competitiveness to digital transformation, security, and the future of European integration. As in previous years, events will be hosted across several iconic locations in the Wachau region, including Krems an der Donau, Göttweig Abbey, and Grafenegg.
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In addition to political leaders, international experts from academia and business will also contribute to the discussions. “The connection between politics, business, and research is essential for shaping Europe’s future in a sustainable way,” noted participants from the scientific community.
Traditionally, participating countries include Austria, Germany, France, Italy, and the Netherlands, as well as nations from the Western Balkans and the Danube region. This broad participation continues to position the Europa-Forum Wachau as a key platform for high-level European and international exchange.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen: »Vor allem sind wir eine Gemeinschaft«
Rede von Van der Bellen anlässlich »30 Jahre Europa-Forum Wachau«.
Meine Damen und Herren!
Schön, hier zu sein.
Erst einmal: Danke an das European Youth Orchestra für den fabelhaften musikalischen Rahmen. Ihr feiert dieses Jahr ja auch Geburtstag. Den fünfzigsten!
Als dieses Orchester gegründet wurde, hieß die Europäische Union noch Europäische Gemeinschaft und umfasste neun Länder. Neun!
Damals schnitt der Eiserne Vorhang große Teile Mittel- und Osteuropas von den freien Demokratien ab. Und Länder wie Portugal, Spanien oder Griechenland hatten eben erst die Herrschaft von Diktatoren überwunden.
Das war vor 50 Jahren. Aber auch vor 30 Jahren noch, als das Europaforum gegründet wurde, war die Welt noch eine ganz andere.
Das Europa, wie es damals war, brauchte von uns vor allem eines: Dass wir Brücken bauen – zwischen Ost und West. Und das hat das Europaforum getan.
Es hat Menschen aus unterschiedlichen Teilen Europas zusammengebracht. Es hat ihnen einen Raum gegeben, in dem sie über Demokratie, Sicherheit, Wirtschaft und internationale Zusammenarbeit debattieren konnten. Und es hat damit seinen Beitrag zur Weiterentwicklung, zum Zusammenwachsen dieses Europas geleistet.
Es hat dazu beigetragen, Europa zu einem Ort zu machen, um den uns viele Menschen auf der Welt beneiden. Dafür gebührt dem Europaforum ein großes Dankeschön.
Gerade Österreich, gerade Niederösterreich, hat stark von dieser Europäischen Union – und auch von diesem Zusammenwachsen – profitiert.
Heute existiert der eiserne Vorhang nicht mehr. Die Kontraste zwischen Ost und West innerhalb der EU sind verblasst. Menschen, Ideen und Waren bewegen sich frei. Millionen Europäerinnen und Europäer leben und arbeiten quer über den Kontinent.
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Das Europa von heute braucht von uns also etwas Anderes als das Europa von damals. Brücken müssen heute anders gebaut werden.
Nur wie? Was wollen wir eigentlich von Europa?
“Welche Vision von Europa, von der Europäischen Union, soll uns die nächsten 30 Jahre leiten?”
Wir alle hier sind uns sicher einig, dass wir ein Europa wollen, das stark ist, das widerstandsfähig, und schnell und wendig ist. Ein Europa, in dem man gut leben kann.
Wir wollen keine Welt, in der die Willkür des Stärkeren gilt. Wir wollen keine Welt, in der das internationale Völkerrecht ignoriert wird. Wir nehmen den Rechtsstaat ernst. Wir nehmen die Freiheit und Gleichberechtigung ernst. Genauso wie unsere Institutionen und unsere liberale Demokratie.
“Und wir wissen Vielfalt zu schätzen”
Sonst würde ich hier heute nicht stehen! Nach jeder üblichen statistischen Definition habe ich Migrationshintergrund. Weder meine Mutter noch mein Vater waren Österreicher. Ich habe estnische, russische, baltendeutsche und niederländische Wurzeln. Geboren bin ich in Wien und aufgewachsen in den Tiroler Bergen.
Typisch Österreichisch, würde ich sagen, oder? Und: Typisch Europäisch!
“Europa gibt uns so viele Freiheiten und Möglichkeiten”
Fragen wir also nicht – oder nicht nur –, was Europa für uns tun kann. Drehen wir die Frage um: Was können wir für Europa tun? Wie können wir für Europa da sein?
Nun ja: Indem wir nicht nur darüber reden, dass wir stolze Europäer sind, sondern auch wirklich danach handeln, wenn es darauf ankommt. Europa braucht von uns, dass wir europäische Interessen über nationale Interessen stellen. Dass wir unsere Entscheidungen zum größeren Wohle aller treffen.

Sicher, da braucht man eine Portion Mut. Denn das gefällt nicht immer allen. Aber es ist notwendig, an das große Ganze zu denken: Wenn es zum Beispiel darum geht, unsere Werte und Interessen zu schützen und zu verteidigen. Oder wenn das nächste Referendum ansteht.
Oder wenn es darum geht, Entscheidungsprozesse zu gestalten: Schauen wir darauf, dass nicht Einzelne die gesamte Union blockieren und lahmlegen können. Ein starkes Europa gibt es nur, wenn jeder Mitgliedsstaat seinen Teil beiträgt.
Wenn jedes Land mitmacht – und wir uns miteinander abstimmen – sind wir unschlagbar. Wir erreichen viel mehr mit einer gemeinsamen Energiepolitik. Einer gemeinsamen Verteidigung. Und als gemeinsame Stimme in der Welt – gegenüber allen, die nur warten auf ein gespaltenes Europa, gegenüber Russland, gegenüber China, und neuerdings auch gegenüber den USA.
Haben wir keine Angst davor, Europa-patriotisch zu sein.
Wir leben hier friedlich, frei und in Wohlstand. Wir achten auf unsere Rechte. Wir wählen selbst, wer uns politisch repräsentiert. Wir sind bereit, voneinander zu lernen.
“Vor allem sind wir eine Gemeinschaft”
Eine Gemeinschaft von derzeit 27 Ländern mit rund 450 Millionen Menschen. Jeder Mitgliedsstaat, jede Region, jedes Bundesland, jede Bürgerin und jeder Bürger gestaltet diese Gemeinschaft mit.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie uns stolz sein auf Europa. Lassen Sie uns da sein für Europa. Dann wird Europa auch für uns da sein. Die nächsten 30 Jahre und darüber hinaus.
Das sind die Brücken, die wir heute bauen müssen. Und an denen das Europaforum Wachau auch heute noch mit baut. Wofür ich heute noch einmal sage: Vielen Dank.

Text: Svetlana Nenadovic Glusac
Fotos: Peter Lechner/HBF